Die Toten und die Lebendigen

Einen Totentanz macht Karin Henkel in Zürich aus Horváths «Geschichten aus dem Wiener Wald». Währenddessen feiern Sebastian Nübling und Yves Thuwis das blühende Leben mit dem Tanztheaterprojekt «Sand»

Theater heute - Logo

Ein gewisses Geisterbahnflair ist dem Abend nicht abzusprechen. Aber wenn Karin Henkel Horváths «Geschichten aus dem Wiener Wald» inszeniert, klappern auf der Pfauenbühne des Schauspielhauses keine Knochen. Die Regisseurin hat sich mit Henrike Engel (Bühne und Kostüm) für eine geräuscharme Skelettvariante entschieden; Fritz Fenne, Kate Strong und die Musiker der Band «Dead Brothers» tragen schwarze Kleidung mit weiß aufgemalten Rippen.

Und natürlich hat das Skelett seinen Ursprung in Horváths Text, nicht umsonst gilt Karin Henkel als genaue Leserin: Es stammt aus einer Regie­anweisung (für die Laden–auslage des Zauberkönigs) und landet wundersam vermehrt auf der Bühne. Fünf Knochenmänner und eine Knochenfrau feiern also an diesem Abend eine Party mit viel melancholischer Musik und holen den Tod aus dem Zwischenraum der Zeilen von Horváths Stück.

Das ergibt durchaus Sinn. Allenthalben zitieren die Figuren verstorbene Mütter oder Ehemänner, wenn es ihnen denn gerade in den Kram passt. Viel wichtiger aber: Diese Leute sind zwar noch lebendig, innen aber wie tot.

Von der Wirtschaftskrise sind diese Figuren gebeutelt. «In unseren Tagen» spiele das Stück, so Horváth 1931. Mühelos lassen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Ellinor Landmann

Weitere Beiträge
Die Not am Ein- und Ausgang

Nach Europa, heißt es für die einen, in dessen besseren, reichen Teil für die anderen. Flucht, Migration, Asyl und legale Einwanderung sind Begriffe, mit denen Politik gemacht wird. Insbesondere seit die EU-Regel gilt, dass der Staat, der zuerst betreten wird, sich um den Notzugang von außen zu kümmern hat. Griechenland, Italien und Spanien sind damit nicht nur...

Sprungbrett ins Absurde

Orgon hat Geld und Stil, das sieht man gleich: Ein weißes Sofa steht in seinem meterhohen Wohnraum, daneben ein paar Design-echte Freischwinger und eine marmorne Deko-Kugel. Der Teppich ist saftig grün, die Tapeten sind floral gemustert, und von der Decke baumeln gleich drei Kristalllüster. Thomas Heick hat diese Habitat-Katalogwelt für den Lübecker «Tartuffe»...

Dresden

Bis dato hatte die Generalstochter Hedda Gabler relativ ruhig zugehört, als ihr Mann von temporären Entbehrungen sprach. Aber dass sie allen Ernstes auf ihre Pilates-Stunden verzichten soll, nimmt sie ihm jetzt wirklich übel. Unter diesen Umständen, teilt Hedda dem mediokren Kulturhistoriker mit, der auf den letzten Metern an einer sicher geglaubten Professur zu...