Die sogenannten Deutschen
Als Albrecht Dürer 1515 das berühmte Rhinozeros mit dem Holzmesser in ein Druckbrett schnitt, da war die Migration hierzulande schon ziemlich alt. Die Hunnen kamen bereits im Jahr 375 nach Christi Geburt aus Asien ins Germanische geritten und lösten eine innereuropäische Migrationsbewegung von hoher Mobilität aus. Die sogenannte Völkerwanderung der Spätantike dauerte rund zweihundert Jahre und wirbelte den Ethno-Mix Europas in einem großen Quirl aus Körpersäften vollkommen durcheinander. Wofür natürlich auch einiges unschuldiges Blut vergossen wurde.
Aber auch in den späteren Jahrhunderten brachte die Gier nach Beute bewaffnete Horden und Heere zwischen Konstantinopel und Island dazu, andere Reiche und Menschenmengen zu überfallen, um sich anschließend mit ihnen genetisch zu neuen gierigen Ethnien zu ver -mischen. In jedem Pariser steckt ein bisschen Wiki drin, in jedem Andalusier ein bisschen Türkei, und Italiener sind eigentlich Langobarden, also aus Wotans Reich in die Sonne gewandert. Würde man auf Google Maps nur ein paar dieser kriegerischen Ausflüge als Route einzeichnen, würde man schnell feststellen, dass ein Großteil davon sich hier im Land der Autobahnen kreuzt. Auch ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Akteure, Seite 40
von Till Briegleb
Wir leben», beginnt Elfriede Jelineks Text «Die Schutzbefohlenen – Was danach geschah (2024)». «Hauptsache, wir leben, und viel mehr ist es auch nicht nach Verlassen der heiligen Heimat.» Dass diese Sätze bei Johan Simons, der den vergleichsweise schlanken 39-Seiter der Literaturnobelpreisträgerin am Schauspielhaus Bochum zur Uraufführung gebracht hat, gleichzeitig...
Vieles, was man an diesem Abend zu hören bekommt, ist kaum auszuhalten. Der Architekt Martin Schmitz erzählt von schweren Vergewaltigungen, die ein katholischer Priester an ihm als Kind über Jahre verübte und die sein weite -res Leben «und das aller Angehörigen!» bestimmte. Die heute in Bayern lebende Bäuerin Melanie Hach berichtet vom Aufwachsen im Stadtteil...
Glitter aus Eukalyptus, Kreuzstromwärmetauscher, Workshops zu Afro-Haar und der «Handbook-First»-Ansatz. Was hat das mit Theater zu tun? Es hat mit Digitalisierung, Diversität und Nachhaltigkeit zu tun, den drei Hauptthemen, die sich unter dem Stichwort «Transformation» versammeln. Längst hat dieser Begriff die Kulturinstitutionen erreicht. Schließlich...
