Berlin: Unter Opfern
Wie konnte das nur passieren? Irgendwo «in Syrien» ist Fabian den «Märtyrertod» gestorben. Ein sensibler Junge aus Deutschland, der nach der Trennung der Eltern mit seiner überforderten Mutter aufs Land ziehen musste und seinen desinteressierten Vater vermisst, dessen erste (Ex-) Teenagerfreundin zu seinem Kummer das gemeinsame Kind abgetrieben hat und der am liebsten mit seinem «Kifferfreund» in den brasilianischen Dschungel ausgewandert wäre, um dort die größtmögliche Alternative zum bundesrepublikanischen Alltag mit Schule, Stress und Sinndefizit zu leben.
So weit, so Grips-typisch: Bei Fabian, den Florian Kroop als aufreizend bleiches Gespenst mit ergrautem Haar und riesigem Blutfleck in Herzhöhe spielt, hätten auch Sektenführer, Drogendealer und Online-Games leichtes Spiel gehabt. Die Hassprediger des Islamischen Staats waren am schnellsten.
Doch der Regisseur und Stückautor Yüksel Yolcu hat noch ein ganz anderes As im Ärmel, nämlich die Rechte an Jürgen Todenhöfers Reportage-Bestseller «Inside IS – zehn Tage im Islamischen Staat». Während der Imam Ilhan (Asad Schwarz), der rückkehrende Syrienkämpfer resozialisiert, in Gesprächen mit Eltern, Lehrern, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 62
von
Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hinterlässt eine Spur des Entsetzens unter amerikanischen Künstlern und Intellektuellen – eine Reportage.
Ruth Reinecke spielt seit 1979 am Berliner Maxim Gorki Theater. Sie war in Volker Brauns legendärer «Übergangsgesellschaft» dabei, hat ein halbes Dutzend Intendanten er- und überlebt – und viel zu erzählen: ein...
Andreas Wilink: Jenseits der Denkmalschutz-Positionen und städtebaulichen Fakten: Wie empfanden Sie die Attacke auf den ohnehin labilen Status quo des Düsseldorfer Schauspielhauses, des Gebäudes und der Institution selbst?
Wilfried Schulz: Ich empfinde es als extrem unglückliche Diskussion, die durch Oberbürgermeister Thomas Geisel vom Zaun gebrochen wurde. Ich...
Entgegen einem wackeren Kalenderspruch ist es offenbar doch nicht die Hoffnung, die zuletzt stirbt, sondern der Lokalpatriotismus. «Wow, wir sind die Ersten, nicht Berlin!» Das sei ihr, erinnert sich die Schauspielerin Wiebke Puls auf der Bühne der Münchner Kammerspiele mit deutlich ausgestelltem Regionalstolz, am 22. Juli 2016 spontan durch den Kopf geschossen,...
