Die Schaumstoffgeborenen

Der Performer, Puppenspieler und Musiker Florian Loycke ist der unverwüstliche Motor einer Bande, die ihre Utopie von Theater lebt

Theater heute - Logo

Es war einmal eine alte Schaumstoff-Matratze. Die hatte viele Jahre in einer Berliner Wohnung gelegen – Menschen hatten auf ihr geschlafen, ihre Träume und Krankheiten auf sie gebettet, geschwitzt, Liebe gemacht und manchmal vielleicht auch einige Tränen vergossen. Als sie nun alt geworden war, und an einer Straßenecke im Prenzlauer Berg auf ihre Entsorgung wartete, kam ein junger Mann vorbei, der mit seinem Bruder und einigen Freunden gerade eine Bande gegründet hatte – auf dem «Helmi», wie der zentrale Platz im Helmholtzkiez auch heute noch genannt wird.

Diese Bande begeisterte kleine und große Menschen gleichermaßen durch ihre stets völlig überraschende und ziemlich freche Art, Theater mit Puppen, Objekten und Musikinstrumenten zu machen. Die beiden Brüder – Florian und Felix Loycke – nahmen sich der alten, ausrangierten Matratze an, entkernten sie und brachten den Schaumstoff mit einigem Draht und Stoffresten in eine figürliche Form, die entfernt an Picassos frühe kubistische Experimente erinnerte: Eigentlich passt nichts zusammen – aber das Unfertige hat System und fügt sich zu etwas unverwechselbar Eigenartigem, Poetischen. Die Geburt von «Hänsel und Gretel» aus dem Geist des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2024
Rubrik: Akteure, Seite 42
von Anja Quickert

Weitere Beiträge
Linke Seite, rechte Seite

Eine Reise wie nach Staucha hatte es zuvor noch nicht gegeben; schon weil die kleine Gemeinde nicht ganz so leicht zu finden ist am Rande der «Lommatzscher Pflege», einem Obstanbaugebiet in Mittelsachsen; Riesa ist die nächste größere Stadt. Kleinere Schilder an den Straßen im Dorf und ein größeres am Eingang zu einem schlossartigen Guts -hof verkündeten...

Angebräunte Verhältnisse

Das «Dritte Reich» ist und bleibt einer der größten Relevanzmarker der Gegenwartsliteratur. Da kann ein Autor wie Karl Ove Knausgård uns durch sein ganzes Leben geleiten, geprägt von Familientristesse mit drei Kindern, Leiden am autoritären Vater, Leiden an den Ansprüchen der Ehefrau, Leiden an zu wenig Zeit für Schriftstellerei, alles ein bisschen bürgerlich...

Auszeiten im Jetzt

Könnte ein extrakitschiges Ölbad der Gefühle werden: Zwei ungeliebte Außenseiter kommen sich keusch und vorsichtig näher, doch es wird nichts draus, weil die Verhältnisse nun mal so sind, wie sie sind. Aber nicht bei Caren Jeß! «Ave Joost» versammelt vier sehr spezielle Menschen im – ja, wo eigentlich? Großstadtrand, Vororttristesse, sich entvölkernde Provinz? Wäre...