Die Rettungsschwimmerin
Dea Lohers Stücke erzählen von Schuld und Verantwortung, von Verrat, persönlichem Versagen und überpersönlichem Unglück, von Verantwortung und dass man ihr nicht gerecht werden kann.
Und doch kommt mir fast immer, wenn ich Dea sehe, der leichtfüßige Beginn einer Geschichte von Katherine Mansfield in den Sinn: «Was soll man auch tun, wenn man dreißig ist und beim Einbiegen in die Straße, in der man wohnt, von einem Gefühl der Seligkeit überwältigt wird – reinster Seligkeit, als hätte man plötzlich ein glänzend helles Stück dieser Spätnachmittagssonne geschluckt, und nun brennt es einem in der Brust und versprüht einen kleinen Funkenregen im ganzen Körper bis in jeden Finger und in jede Zehe ...»
Dea Loher ist das Gegenteil von schwer. Brecht sprach davon, dass das weiche Wasser in Bewegung mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt. Aber Dea Loher will nicht siegen, vielleicht will sie aufmerksam machen, sicher will sie etwas zum Ausdruck bringen, um die empfundene Last zu verlagern vom Leben ins Schreiben, von der einen auf die andere Schulter. Ihr Theater hat mit meist schmerzhaft empfundener Körperlichkeit zu tun. In einem Interview erzählt sie von der prägenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Prolog
Wie sich im Laufe des letzten halben Jahres herausgestellt hat, gibt es keinen Sektor des Lebens, der Kultur, der Politik, keine Betätigung zwischen Fußball und Fallenstellen, die nicht ihr 68 gehabt hätten. Die hinter uns liegende Zeit besonders intensiver Debatte darüber, was das eigentliche 68 gewesen wäre, das Wesen von 68 nämlich, im Gegensatz zum...
Für den Titel ihres neuen Stückes greift die serbische Dramatikerin Biljana Srbljanovic tief in die Begriffskiste der religiösen und spirituellen Mythologie: Dort steht «Barbelo» mal generell für (religiöse) Offenbarung, mal, wie bei den Gnostikern, für «die Mutter alles Lebenden», und schließlich wird damit schlicht und sehr konkret auch die Gebärmutter...
Die Schneiderei, die Nebenspielstätte des Schauspielhauses, ist ein Raum mit vielen Fenstern zur Porzellangasse, in den durch die morsche Doppelverglasung der Lärm der Stadt dringt. Ewald Palmetshofer, der Hausautor des Schauspielhauses, sitzt hier, neuerdings täglich, um zu schreiben. Die Schneiderei, mit Hans Gratzers altem Schreibtisch aufgerüstet, ist sein...
