Die Rettungsschwimmerin
Dea Lohers Stücke erzählen von Schuld und Verantwortung, von Verrat, persönlichem Versagen und überpersönlichem Unglück, von Verantwortung und dass man ihr nicht gerecht werden kann.
Und doch kommt mir fast immer, wenn ich Dea sehe, der leichtfüßige Beginn einer Geschichte von Katherine Mansfield in den Sinn: «Was soll man auch tun, wenn man dreißig ist und beim Einbiegen in die Straße, in der man wohnt, von einem Gefühl der Seligkeit überwältigt wird – reinster Seligkeit, als hätte man plötzlich ein glänzend helles Stück dieser Spätnachmittagssonne geschluckt, und nun brennt es einem in der Brust und versprüht einen kleinen Funkenregen im ganzen Körper bis in jeden Finger und in jede Zehe ...»
Dea Loher ist das Gegenteil von schwer. Brecht sprach davon, dass das weiche Wasser in Bewegung mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt. Aber Dea Loher will nicht siegen, vielleicht will sie aufmerksam machen, sicher will sie etwas zum Ausdruck bringen, um die empfundene Last zu verlagern vom Leben ins Schreiben, von der einen auf die andere Schulter. Ihr Theater hat mit meist schmerzhaft empfundener Körperlichkeit zu tun. In einem Interview erzählt sie von der prägenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nicht zu übersehen, die Bühnenbildner des Jahres. Die drittplatzierte Muriel Gerstner (Preisträgerin 2006) hat für Sebastian Nüblings Uraufführung von Simon Stephens’ «Pornographie» ein grandioses Puzzle mit Breughels Turm von Babel entworfen, das nicht nur als Großmetapher dient, sondern die Schauspieler in und zwischen den Szenen ausführlich beschäftigt: als...
Hinlänglich dechiffriert ist der heimlich religiöse Subtext aller politischen Ideologie – die Aufhebung der Mühsal am Ende aller Zeit, am jüngsten Tag, am Ende des Kampfes, am Ende der Welt, am Ende der Revolte. Kurz mag das Religiöse also im Politischen Zuflucht gefunden haben, um bald darauf wieder ohne Obdach auf der Straße zu stehen. Aber zum Glück gibt es ein...
Dieser Mann muss sich mit der Kneifzange rasieren. Zu viele Hormone. Schnurrbart ist kein Wort für den borstigen Oberlippen-Propeller im zarten Gesicht des Jens Harzer. Jack Nicholson spielte einst in Roman Polanskis «Chinatown» den halben Film mit einem Nasenpflaster im Gesicht, und schon dieser Fremdkörper war eine Zumutung. So ähnlich müsste es doch Harzer mit...
