Die Rache des unterdrückten Ichs
Larissa ist eines dieser typischen Provinzmädchen, die nach Berlin kommen, um ihr Glück zu finden. Das macht sie aber nicht zur Nachfahrin des «kunstseidenen Mädchens». Während Irmgard Keuns Heldin ein Glanz werden möchte, will die Heldin von Rebekka Kricheldorf das Gegenteil: keine Karriere als Schauspielerin und schon gar nicht Muse in der Low-Budget-Produktion eines halbtalentierten Weggefährten sein. Dann schon lieber Slackerin (hauptberufliche Rumsitzerin).
Und so lernt man Larissa bei etwas kennen, was Studierende gut können: tanzen, trinken, Nächte durchfeiern, und danach zerstört neben einem Fremden aufwachen, oder, wie es Larissa passiert, neben einem «gänzlich unbekannten» Hund. Ihrer ist aber viel netter als der in «Herr Lehmann». Trotzdem will sie nicht mit ihm kuscheln, sondern schlurft schnell auf die Straße hinaus. Aber da ist es auch trist, überall Müll, oben drüber Balkone, die aussehen, als könnten sie einen jeden Moment unter sich zerquetschen.
Wir befinden uns in Rebekka Kricheldorfs Debütroman «Lustprinzip» im Berlin der neunziger Jahre. Genauer gesagt in Friedrichshain, wo es zwischen Wende und Partytourismus ja ziemlich anarchisch zuging. Kricheldorf ist in ...
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Theater heute Juni 2021
Rubrik: Bücher, Seite 34
von Anna Fastabend
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