Der Tod der Drittelbraut
Da ist dieses Tattoo auf dem Rücken einer Toten, das eher ein Gemälde sich rankender Pflanzen zu sein scheint. Dann diese Technoszene und eine Menge Drogen, verbunden mit dem seltsamen Gefühl, am nächsten Tag nicht zu wissen, was in der Nacht zuvor los war. Das mit dem Vergessen funktioniert zwar auch mit Rotwein, ist aber längst nicht so sexy wie ein Absturz mit Crack, Crystal Meth, Heroin, Kokain oder Ecstasy.
Die Frauenleiche im Landwehrkanal zum Beispiel, die dort etwas mehr als ein Jahrhundert nach Rosa Luxemburg im Wasser treibt, könnte eine real existierende Tote sein, vielleicht ist sie aber auch nur die halluzinatorische Ausgeburt eines Hirns, das sich auch deshalb so gut mit Drogen auskennt, weil es im Körper eines Drogenfahnders steckt. Tommy, so sein Name, steht demnächst selbst vor Gericht und hat gerade nicht wirklich was zu tun, außer sich Techno Beats und einem Berlin hinzugeben, das so divers und multiethnisch ist, wie es München nie wird sein können.
Der Mann, dessen Polizistenehre sich im Drogenrausch verflüchtigte, hat mit kolumbianischen Zeichnerinnen, kroatischen Dachdeckern, syrischen Informatikern, indischen Feuerspuckerinnen und russischen Mystikern zu ...
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Theater heute Juni 2021
Rubrik: Bücher, Seite 33
von Jürgen Berger
Im letzten Jahr hatten sie es noch haarscharf geschafft: Knapp bevor die erste Welle der Pandemie sämtliche kulturellen Aktivitäten hinwegspülte, ging Carlo Chatrians und Marietta Rissenbeeks erste Berlinale mit allem Drum und Dran über die Live-Bühne, deutlich zurückhaltender und ästhetisch herausfordernder allerdings, als man es von Vorgänger Dieter Kosslick...
Wenn in der Antike das Orakel von Delphi befragte wurde, schob die Priesterin Pythia nach einer Reihe von rituellen Waschungen und Tieropfern einen dreifüßigen Schemel vor eine Erdspalte im Apollontempel. Denn Delphi, so hieß es, befand sich am Mittelpunkt der Welt, bis heute symbolisiert durch den Schmuckstein Omphalos. Über aus der Erde entweichenden Gasen geriet...
Knarr, quietsch. Die Tür klingt wie seit 100 Jahren nicht geölt, das Licht schummert nur düster durch die klapprige Dekoration (Robert Kraatz). Gargas Leihbibliothek und die «Dickicht der Städte»-Bühne sieht aus wie eine rumpelige Gespenster-Kammer mit unübersichtlichen Räumen, Gängen und Nischen. Nicht minder schemenhaft seine Bewohner: Glatte Masken nehmen jeden...
