Der Tod der Drittelbraut
Da ist dieses Tattoo auf dem Rücken einer Toten, das eher ein Gemälde sich rankender Pflanzen zu sein scheint. Dann diese Technoszene und eine Menge Drogen, verbunden mit dem seltsamen Gefühl, am nächsten Tag nicht zu wissen, was in der Nacht zuvor los war. Das mit dem Vergessen funktioniert zwar auch mit Rotwein, ist aber längst nicht so sexy wie ein Absturz mit Crack, Crystal Meth, Heroin, Kokain oder Ecstasy.
Die Frauenleiche im Landwehrkanal zum Beispiel, die dort etwas mehr als ein Jahrhundert nach Rosa Luxemburg im Wasser treibt, könnte eine real existierende Tote sein, vielleicht ist sie aber auch nur die halluzinatorische Ausgeburt eines Hirns, das sich auch deshalb so gut mit Drogen auskennt, weil es im Körper eines Drogenfahnders steckt. Tommy, so sein Name, steht demnächst selbst vor Gericht und hat gerade nicht wirklich was zu tun, außer sich Techno Beats und einem Berlin hinzugeben, das so divers und multiethnisch ist, wie es München nie wird sein können.
Der Mann, dessen Polizistenehre sich im Drogenrausch verflüchtigte, hat mit kolumbianischen Zeichnerinnen, kroatischen Dachdeckern, syrischen Informatikern, indischen Feuerspuckerinnen und russischen Mystikern zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2021
Rubrik: Bücher, Seite 33
von Jürgen Berger
Von den werkgetreuen Togen und Tuniken und dem gräzisierenden Tempelchen auf der Bühne sollte man sich nicht allzu sehr in die Irre führen lassen. Diese «Orestie» ist «revisited», was überarbeitet bedeutet, überschrieben. Aber auch nicht ganz. Doch der Reihe nach.
Erst mal wird das Publikum ein wenig eingeschüchtert: Die «Orestie» im Originaltext, das macht 175...
Sie haben’s nicht leicht, die Sprösslinge der europäischen Königshäuser. Für das Leben im Fokus der Öffentlichkeit, der Paparazzi, der Yellow Press brauchen man und frau starke Nerven. Die royale Tradition und die Rollenvorgaben liegen schwer auf den Schultern. Hinter den prunkvollen Fassaden, hinter Glitzer und Glamour lauern oft genug Abgründe. Siehe Lady Di.
Au...
Wie deutsche Bürger zu Nazis wurden, meinen wir zu wissen, aber in Belgien sieht es mit Aufarbeitung verbrecherischer Vergangenheit etwas anders aus, wie man auch den unkritisch kolonialen Königsskulpturen mit dankbaren Sklaven zu Füßen im ganzen Land immer noch ablesen kann. Nach der Auseinandersetzung mit den belgischen Massakern im Kongo hat sich Luk Perceval im...
