Die Pflichtlektüre
2005 war erst vorgestern: das Schillerjahr zum 200. Todestag, das den Dramatiker der großen Emphase und der steilen Plots auf jede Bühne des Landes trug. 2009 schon wieder ein Schillerjahr: 200. Geburtstag im November, die Theater rüsten sich zum Pflichtprogramm und erledigen gleichzeitig ihren Bildungsauftrag mit sicherem Publikumszuspruch nicht nur der reiferen Jahrgänge.
Schiller-Abende, die offensiv den Klassenbesuch der gymnasialen Oberstufe unter der Knute ihrer Lehrpläne ins Visier nehmen, sind derzeit in Essen und Berlin zu sehen.
An der Berliner Schaubühne untersucht Falk Richter die unstandesgemäße Beziehung, die zu «Kabale und Liebe» führt. Und in Essen verarbeitet Intendant Anselm Weber den NRW-Abiturstoff «Don Carlos» als erste Inszenierung nach Bekanntgabe seines künftigen Postens als Bochumer Intendant unter verschärfter Beobachtung des überregionalen Feuilletons.
Big Brother passt auf
Wo die Schule den Schiller einzubetten hat in Literatur- und Ideengeschichte, soll das Theater ihm Leben einhauchen, eine irgendwie geartete Bezüglichkeit zum Jetzt herstellen. Nicht so einfach. Was macht man zum Beispiel in Zeiten von Email und SMS mit Schillers fataler ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Erinnerung in Gegenwart zurückzuverwandeln – davon erzählte Jonke in seinem Theaterstück «Gegenwart der Erinnerung» (1995). Dass das niemals gelingen kann, weil es die Zeit und ihre Risse, die Erinnerung und das Vergessen, ja letztlich sogar Leben und Tod aufheben würde, wusste auch Jonke, und dennoch trieb er sein Spiel mit dieser Möglichkeit. Nicht aber, um sich...
Bernd Noack Herr Berg, wer in Linz aus dem Zug steigt, den erschlägt gleich in der Bahnhofsunterführung förmlich ein Plakat: «Kulturhauptstadt des Führers». Wird man auch auf den Bühnen, die im Rahmen des Festivals bespielt werden, Hitler herumwesen sehen müssen, oder wie soll dieses Stück Stadt-Vergangenheit bearbeitet werden?
Airan Berg Zunächst einmal: Es gibt...
Bei der Verleihung eines Preises sagt der Architekt Georg Winter einen tiefsinnigen Satz: «Ein Architekt hat den einzigen Beruf, der es erlaubt, durch die eigenen Gedanken zu gehen.» Gebäude sind also entäußerter Intellekt, zumal bei einem Planer wie Winter, dessen Markenzeichen es ist, dass er immer die Konstruktion auch sichtbar sein lässt. Was er bei seiner...
