Die Pferdeflüsterin
Die Verliebtheit der Theaterleute in das Käthchen von Heilbronn hat, wie das eben so ist
im Leben, auch ihre unglücklichen Züge. Das Stück handelt von erotischer Fixierung und
abgewehrtem Begehren, von heiratspolitischer Falschmünzerei und unbedingter weiblicher Hingabe; die drei erstgenannten Aspekte interessieren beinahe jeden, der letzte vor allem die Männer.
Bei Amélie Niermeyers Inszenierung des Kleist-Stücks zum Düsseldorfer Saisonauftakt könnte also die spannendste Frage sein, wie der weibliche Blick den Fokus verändert, wie er womöglich das Käthchen-Mädchen aus einer ans Pathologische grenzenden naiven Fixierung löst oder dem Supermann des Stücks, dem Grafen Wetter vom Strahl, den einen oder anderen Zacken aus der Krone bricht.
Niermeyer geht den Text zunächst mit einer fast käthchenhaften Loyalität an. Das Femegericht gleicht einem großen Hörsaal, die Richter, die sich darin verlieren, sind das Personal des Stücks. Der Graf (Markus Scheumann) ist anfangs so klein, dass man ihn fast nicht sieht. Das ist natürlich pures Understatement, er ist sich seiner Sache so sicher, dass er sich nicht groß bemühen muss. Mit dem Auftritt Käthchens (Claudia Eisinger) wird dann aber schon ...
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