Die List des Modernisten
Schnell wird es dunkler auf der Bühne. Der an Schienen hochgezogene weiße Tanzboden, der die Bühne rahmt und in einen White Cube von museumsartigem Zuschnitt verwandelt, verliert seine gleißende Wirkung und wird matt. Tänzer und Tänzerinnen in knöchellangen weiten, schwarzen Musselinröcken postieren sich vor der Rückwand, als seien sie einem barocken Gemälde von Velazquez entsprungen. Eine Videoprojektion taucht die Wand in ein tiefes Blau, ein Himmel in der Dämmerstunde, bevor die Welt im Dunkel versinkt. Von der rechten Seite fliegt ein Flugzeug ins Bild.
Ein Kampfjet im Kriegseinsatz schießt über den Himmel und wird plötzlich langsamer, das Bild scheint einzufrieren, es ruckt und stockt, läuft rückwärts, bis die breiten Flügel des Flugzeugs aussehen wie die riesigen Schwingen eines Raubvogels, der auf der Suche nach Beute langsam am Himmel seine Kreise zieht. «Flow my tears», fließt, meine Tränen, stimmt eine herzzerreißende Stimme das Lied des englischen Renaissancemusikers John Dowland an. Acht Tänzer und Tänzerinnen greifen dazu zu den Pistolen, formieren sich zu vier Duetten und ergehen sich in klassischen Schritt- und Hebekombinationen.
VA Wölfl, Kopf der Kompanie NEUER ...
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Woyzeck in Weimar, ausgerechnet. Zwar nicht im repräsentativen Nationaltheater unmittelbar im Rücken der großen Bronze-Klassiker Goethe und Schiller, sondern fünf Minuten entfernt im E-Werk: einer dieser zahllosen malerischen Ziegelbauten aus der industriellen Moderne, die mittlerweile als Romantikhotels für die (darstellenden) Künste eine neue Bestimmung...
Die Beatgeneration – zur Erinnerung: Das war die, die in «der schlechtesten der Welten» ein «glückseliges Leben» führen wollte –, die «Beatniks» also, die vor etwa 50 Jahren das Establishment literarisch ver- und sich selber dabei gleich physisch zerstörten, feiern so eine Art Auferstehung. Sowohl als Original als auch als Plagiat: Auf dem Buchmarkt wird...
Es ist ja schon eine Grundsatzfrage, wie man ein derart verschwiemeltes Genre wie die Operette auch nur ansatzweise für die Bühne flott machen kann. Und wie man etwas so obszön Blödsinniges wie Jacques Offenbachs «Die Banditen» von 1869 ausgerechnet ins Neumarkt Theater in Zürich bringen kann. Etwas so dreist Doofes, das immerzu an eine Urfassung von «Das Wirtshaus...
