Die Liebe zum Fremden
Mit Sandro Lunin hat ein Kenner des afrikanischen Theaters die künstlerische Leitung des Spektakels neu übernommen. Sein Programm ließ auf etwas schließen, was man mitunter von Freunden kennt, die unterschiedliche Teile Afrikas länger aus der Nähe gesehen haben: Die sind vom Kitschsyndrom, einer touristisch hilflosen Umkehrung von Rassismus, in der Regel kuriert. Und vielleicht ist es gerade Lunins Unaufgeregtheit im Blick auf afrikanisches Theater, die eine Einladung wie «House of the Holy Afro» ermöglicht hat.
Afrikanische Kunst ohne Touri-Blick
Die Programmzeitung wusste über diese südafrikanische Musikshow viel von Afrika-Klischees, welche der Regisseur Brett Bailey parodieren würde. Das Zürcher Publikum erwartete also eine reflektierte Safari: Ein Afrikaner mit nacktem Oberkörper muss auf der Bühne sein Afrikanischsein ja stets zum Thema machen – er bleibt markiert. Doch was die Gruppe Third World Bunfight bot, war eher ein Feedback auf schwule House-Discos im Chicago der späten Achtziger. Solche Klubkulturen dürften dem Publikum noch fremder gewesen sein als die Vorstellung irgendeines Afrikas. Ein schönes Missverständnis, wenn der Fremde nicht nur über sich, sondern ...
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In knapp viereinhalb Minuten ist eine harmlose Freizeitaktivität in etwas Unbegreifliches umgeschlagen, und, so viel sei hier verraten, auch in den restlichen 78 Minuten wird der Zuschauer nichts Weiteres über die Beweggründe dieser seltsamen Tat erfahren.Wüsste man es nicht, man würde gewiss nicht vermuten, dass dieser still forschende, beinahe dokumentarisch...
Dank demografischer Nachwuchssorgen wird derzeit auf allen Kanälen über die gesellschaftstauglichste Form des Mutterseins debattiert. Nur als dramatischer Konflikt wird das Lavieren zwischen Kindern und Karriere nach wie vor nicht ernst genommen. Allenfalls im Fernsehen schmunzelt man über die tapfere Familienmanagerin, die zwischen Spielplatz und Meeting hin und...
Aus dem «urschleim» sei «doch immer was geworden», stellt Stamm fest, «vielleicht nich immer wunschprogramm alter, aber immer irgendwas […] n fleck leben im brustkorb». Die Sätze, die Dirk Laucke in «wir sind immer oben» denjenigen in den Mund legt, an denen der Wohlstand vorbeigezogen ist, sind so lebendig, dass sie zu atmen scheinen. Lauckes Sprache ist...
