Die Lage ist komplex, aber hoffnungsvoll
Theater heute Unser Thema sind einmal mehr die Strukturprobleme des Ensemble- und Repertoiretheaters, speziell seine Leitung, konkret die Intendanz, vor allem im Hinblick auf möglichen Machtmissbrauch und andere Disfunktionalitäten. All das ist in jüngster Zeit viel diskutiert worden nach einschlägigen Vorfällen an mehreren deutschen Stadttheatern. Vielleicht zum Einstieg die Frage danach, wie Ihre eigenen Erfahrungen damit aussehen. Michael Börgerding, Sie waren ja nicht immer Intendant, sondern auch viele Jahre Dramaturg.
Wollen Sie anfangen?
Michael Börgerding Ich habe ja an einem Mitbestimmungstheater angefangen als junger Dramaturg, am Jungen Theater in Göttingen, Otto Schnelling war der Leiter, mit dem ich immer noch befreundet bin. Dann hat mich Ulrich Khuon – für mich weiter ein Intendantenvorbild – nach Hannover geholt, dann bin ich mit ihm nach Hamburg ans Thalia Theater gegangen. Aber natürlich kenne ich Geschichten, die mir Kolleg:innen erzählt haben von anderen Intendanten – männlich gemeint. Ich habe sie aber selbst nie erlebt. In meiner Tätigkeit als Dramaturg war der Regisseur Jürgen Kruse sicher ein Sonderfall, und ich weiß nicht, ob ich mir die Art und Weise, wie ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Zeitenwende, Seite 26
von
Rückzug, Rückzug, Rückzug. Nach Monaten der Ebbe folgt – noch mehr Ebbe. Wohin ist das Meer gegangen? Wohin ist das gegangen, was allen gehört? Was unsres war, und was jetzt fehlt? Man hat uns erzählt, Gegenwart sei anders gar nicht denkbar. Als in Räumen, die nicht denen gehören, die sie beleben. Öffentlichkeit – der Virus frisst sie nicht, sondern legt ihr...
Neulich lag ich im Bett mit zwei Chilenen, einer Brasilianerin, einer älteren Indonesierin, einem Pärchen aus Los Angeles und ein paar Russen. Wir hörten Madhusree zu, wie sie ein altes bengalisches Lied sang. Bei ihr in Kalkutta war es spät in der Nacht, und selbst bei Sunny, die mittlerweile in Talinn lebt, war durch das Fenster draußen schon die esthnische...
Aus dem Stegreif weinen, das kann nicht jede:r. Das ist das überschaubare Kunststück an der Sache. Ich habe damit schon als hormongefluteter Teenager vor meinen Klassenkamerad:innen geprahlt. «Money makes me cry» habe ich schon einmal gespielt, als Abschied vom Hamburger Schauspielhaus. Damals eine ziemlich sportive Veranstaltung. Ich habe für möglichst viele...
