Die Kunst der Depression
In «Ausweitung der Kampfzone» von 1994 steckt schon der ganze spätere Houellebecq. Ein etwas antriebsschwacher Ich-Erzähler mit akademischem Hintergrund in einigermaßen gesicherten ökonomischen Verhältnissen verliert langsam die Sinnbezüge zu seinem Leben und trudelt zunehmend distanziert durch ein paar zufällig und ziellos erscheinende Alltagsstationen Richtung Abgrund. Währenddessen beschreibt er mit hellsichtigem Sarkasmus – der trockene Humor verlässt ihn nie – sich und und seine Umgebung.
Unterwegs stolpert er noch durch eine lockere Reihe improvisierter essayistischer Betrachtungen, wie unsere gegenwärtige Gesellschaft angeblich so funktioniert. Sie kommt dabei im Großen und Ganzen nicht besonders gut weg: solide Zivilisationskritik im jeweils aktuellsten Update. Eine für deutschsprachige Bühnen seit bald zwei Jahrzehnten unwiderstehliche Mischung.
In Houellebecqs erstem Roman von 1994 steht ein 30-jähriger Agraringenieur und Informatiker – biografisch dem Autor nicht unähnlich – vor den üblichen Herausforderungen des Lebens. Er ist einigermaßen erfolgreich und gut bezahlt, arbeitet in einer Firma, die ihn nicht interessiert, und in einem eher langweiligen Job, der ihn ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Franz Wille
Sie – er – es ist einfach perfekt. Langbeinig, wallemähnig, sportlich schlank und stets lieb und zugewandt. Sie hat es von einer Sexpuppe zur einfühlsamen, durchaus kritischen Gesprächspartnerin gebracht. Wenn sie dabei zu sehr nervt, kann man die Kommentarfunktion abschalten. Peter Vogel hat sich das perfekte Liebespendant, seine «Echokammer», erschaffen und nennt...
Es beginnt märchenhaft. Das erste Bild von Thomas Heises neuem Film «Heimat ist ein Raum aus Zeit» ist die langsame Bewegung nach oben, einen grünen Pfahl entlang, der auf Waldboden steht. Am Ende des Pfahls ist ein Schild angebracht mit den Worten: «Nach der Legende stand hier Großmutters Haus.» Was dann folgt, ist allerdings keine Fabel, sondern Dokumentarismus...
Ein Handtuch von einem jungen Mann schleicht an die Rampe. Sein Dasein ist ihm selbst nicht ganz geheuer. Entsprechend meidet er die Mitte im breiten, leeren Raum der Berner Vidmarhallen. Das ist Elmar Goerdens «Sohn», Titelfigur im letzten Teil einer Trilogie, die lose an Homers Telemachos aus der «Odyssee» anknüpft und seit 2016 Stück für Stück am Theater Bern...
