Die Grenzen der Gesetze
Das Gorki Theater in Berlin gibt dem Zentrum für politische Schönheit Gelegenheit, auf die Flüchtlingsfrage drastisch hinzuweisen. Die Politik soll dazu bewegt werden, ein Gesetz abzuschaffen, «das eine Schande für dieses Land und Europa darstellt». Vier Tiger waren für zwölf Tage vor dem Theater untergebracht, Menschen sollten sich finden, die bereit wären, sich fressen zu lassen.
Barbarische Spiele? «Welch ein Schauspiel, aber ach ein Schauspiel nur!»? Oder bitterernst, so ernst wie das Thema «Flüchtlinge»? Und wenn jemand bereit ist, sich den Tigern zum Fraße vorzuwerfen? Immer noch Kunstfreiheit oder Verstoß gegen die Menschenwürde? (Die meisten Kommentare haben allerdings nur den Tierschutz im Visier!)
Johannes Paul Raether bespielt das alljährliche Festival Foreign Affairs der Berliner Festspiele im Juli 2016, indem er eine Gruppe von Menschen in den Apple Store am Kurfürstendamm schickt und ihnen ein Gallium-Teil in die Hand drückt, das während der Aktion zu einer quecksilberähnlichen Substanz schmilzt. Seine ahnungslosen Gäste (unter ihnen der Intendant der Festspiele) werden aufgefordert, die Computer zu benutzen, wobei das flüssige Gallium Tisch und Geräte beschädigen ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen, Seite 28
von Peter Raue
Wer ist Lucas? Diese Frage ist der rote Faden, der durch die sieben Szenen des Stücks führt – ohne jedoch jemals abschließend beantwortet zu werden. Lucas ist vor allem eine Leerstelle, die die Figuren beschwören und mit ihrer Sprache umkreisen, die sie aber nie füllen können. Er personifiziert das Paradox einer gleichzeitigen Anwesenheit und Abwesenheit, welches...
1892 kam in New York ein «Jiddischer Kenig Lir» auf die Bühne, ein Stück des ukrainisch-russischen Migranten Jakob Gordin, der ein Jahr zuvor vor Pogromen in seiner Heimat nach Amerika geflohen war. «Kenig Lir» war sein drittes Stück – ca. 70 weitere sollten folgen – und begründete nicht nur seinen Ruhm als einer der erfolgreichsten Theaterautoren seiner Zeit,...
«Ich bin klein
mein Herz ist rein.
Soll niemand drin wohnen
Als Jesus allein.»
Wie viele Kinder müssen dieses Gebet vor dem Schlafengehen aufsagen? Es ist ein Ritual, und als solches schadet es nicht. Man spricht es, weil die Eltern es verlangen. Und irgendwann will man es vielleicht selber auch sprechen, weil man es nicht anders kennt. Die Rebellion setzt erst später...
