Die fünf Sinne
Als das Stück sich dieses Frühjahr den Autorenpreis mit Nino Haratischwilis «Liv Stein» teilte, ging das absolut in Ordnung. Beide Texte ragten aus dem Angebot des Heidelberger Stückemarktes heraus. Im Theater Heidelberg folgt auf den Preis der Praxistest in Form der Uraufführung. «Lilly Link oder Schwere Zeiten für die Rev ...» steht in einer Reihe von Löhle-Stücken, in denen er sich geradezu altersweise mit dem Jahr ’68 und den Folgen auseinandersetzt.
Anders aber als sein Fundamentalverweigerer Gospodin, der den Kapitalismus aussitzen will, leidet Lilly Link an der Unveränderbarkeit der äußeren und am steten Wandel der inneren Verhältnisse.
Nichts ist mehr wie früher. Lilly aber bleibt sich treu und wirft ihren Freunden, mit denen sie dereinst unter dem Label «Die fünf Sinne» außerparlamentarische Aktionen zur Erhöhung der allgemeinen Sensibilität startete, heute ein erbittertes «Verräter» an den Kopf. Dabei haben die ehemaligen Geschmacksguerilleros nur genau hingehört, als der Deutschen liebster Turnschuhreisende den historischen Satz sprach, nur wer sich ändere, bleibe sich treu. Sie wollen schlicht Geld verdienen, allen voran Amoz, mit dem Lilly zu allem Unglück auch noch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Aus dem kleinen Heiner (Müller), hier 1935 anlässlich der Einschulung vor dem Haus der Großeltern im sächsischen Bräunsdorf, ist nicht nur einer der wichtigsten Schriftsteller und Dramatiker deutscher Sprache geworden, sondern auch ein talentierter Prophet mit Kassandra-Ehrgeiz: «Man muss sich um antikapitalistische Alternativen keine Sorgen machen, weil der...
Den zarten Jahrgang 1975 haben sie beide, sie nennen sich «Jungspunde aus der Provinz». Barbara Weber kommt aus dem Toggenburg, Rafael Sanchez aus Basel, beide haben in den letzten Jahren viel inszeniert, in der Schweiz, in Deutschland, wurden gefeiert, sind manchmal gescheitert und manchmal sicher auch gescheiter geworden. Jetzt sind sie also die zwei bezaubernd...
Nur eine halbe Stunde im ICE liegt zwischen Ingolstadt und Nürnberg. Und doch auch Welten. Das kann man im Theater entdecken: An beiden Bühnen wird derzeit die «Orestie» von Aischylos gespielt, jeweils alle drei Teile und jeweils strich-scheu abendfüllend. Beide Theater greifen auf Peter Steins Übersetzung zurück, jagen den vielköpfigen Chor wie...
