Die Fiktion der Kritik

Krise, Kritik und Theater sind ein eingespieltes Team. Manchmal bis zur Ununterscheidbarkeit. Über Boris Nikitins «Hamlet»-Performance und den neuesten Stand der Kritik-Philosophie

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Kaum einmal an diesem Abend steht er still. Er tritt von einem aufs andere Bein. Er tänzelt, trägt in sich eine Unruhe, die ansteckt. Vielleicht, weil es kaum möglich ist, sich mit ihm zu identifizieren, ja, weil man ihm am liebsten gar nicht mehr zuschauen und zuhören würde. Dann etwa, wenn er sich über die Blasen auf seiner Haut auslässt. Und weil man doch andererseits nicht anders kann, als von seiner merkwürdigen Art des Spiels angezogen zu werden. Weil man, gebannt und abgestoßen, zumindest sich nicht abwenden mag.

Schwer zu sagen, was es genau ist, das einen zugleich anzieht und abstößt. Er ist nicht auffällig auf den ersten Blick, oder kaum: ein schlaksiger, uns direkt fixierender Mann, schwarze Jeans mit Nietengürtel, schwarze Jacke, darunter ein T-Shirt, auf dem «Heiterkeit» steht. Aber etwas an ihm befremdet, irgendwann fällt es auf: keine Haare, keine Augenbrauen. Vielleicht ist es das, was ihn fremd macht, ja unheimlich. Und zugleich den Blick auf ihn zieht. 

Julian Meding, der Performer und Sänger im «Hamlet» des Schweizer Regisseurs Boris Nikitin, begrüßt uns an diesem Abend in der Basler Kaserne auf die denkbar illusionsloseste Weise: Stellt sich mit Namen vor, ...

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Theater heute November 2016
Rubrik: Essay, Seite 28
von Nikolaus Müller-Schöll

Vergriffen
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