Die Fiktion der Kritik
Kaum einmal an diesem Abend steht er still. Er tritt von einem aufs andere Bein. Er tänzelt, trägt in sich eine Unruhe, die ansteckt. Vielleicht, weil es kaum möglich ist, sich mit ihm zu identifizieren, ja, weil man ihm am liebsten gar nicht mehr zuschauen und zuhören würde. Dann etwa, wenn er sich über die Blasen auf seiner Haut auslässt. Und weil man doch andererseits nicht anders kann, als von seiner merkwürdigen Art des Spiels angezogen zu werden. Weil man, gebannt und abgestoßen, zumindest sich nicht abwenden mag.
Schwer zu sagen, was es genau ist, das einen zugleich anzieht und abstößt. Er ist nicht auffällig auf den ersten Blick, oder kaum: ein schlaksiger, uns direkt fixierender Mann, schwarze Jeans mit Nietengürtel, schwarze Jacke, darunter ein T-Shirt, auf dem «Heiterkeit» steht. Aber etwas an ihm befremdet, irgendwann fällt es auf: keine Haare, keine Augenbrauen. Vielleicht ist es das, was ihn fremd macht, ja unheimlich. Und zugleich den Blick auf ihn zieht.
Julian Meding, der Performer und Sänger im «Hamlet» des Schweizer Regisseurs Boris Nikitin, begrüßt uns an diesem Abend in der Basler Kaserne auf die denkbar illusionsloseste Weise: Stellt sich mit Namen vor, ...
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Hannes ist ein ungewöhnlich belesener Bademeister mit interessanten Vorlieben. Einerseits finden sich in seiner Umkleide die aktuellen Klassiker der Kritik am Neoliberalismus wie Saskia Sassen, Richard Sennett oder Slavoj Zizek, andererseits gehört auch Hans von Dach zum Lektüreprogramm, der 1957 in der Schweiz mit seiner Schrift «Der totale Widerstand,...
Die Tat ist der Traum: Neun Schauspieler stehen an der Rampe mit Büchern in der Hand und lesen, nein: schreien, wüten, trampeln die Zentral-Episode von Dostojewskis Roman «Verbrechen und Strafe» aus ihren Körpern heraus, den «Traum vom Pferdchen und der Peitsche», deren Text derweil hinten auf der Leinwand abläuft. Eine geschlagene Viertelstunde lang steigert...
