Die fahle Puppe
Eine lange Tafel mit zahlreichen Stühlen unterschiedlichster Form und Größe erstreckt sich über die Breite der Bühne. Samtbezogen mit hoher Lehne wie ein Thron der eine, aus derbem Holz der andere, ein dritter ragt kaum über die Tischkante (Bühne Nina Linkowski). Durch den dunklen Vorhang dahinter lugt das gespenstisch blasse Gesicht einer Frau mittleren Alters. Scharf geschnittene Gesichtszüge, die aschblonden Haare in einem losen Dutt, die Augen verhangen.
Erst als ihr menschlicher Zwilling hinter ihr erscheint, wird klar, dass es sich um eine lebensechte Handpuppe handelt (Puppenbau Suse Wächter). Wie das innere Schattenkind ihrer Trägerin taucht die fahle Puppe an diesem Abend immer mal wieder auf, stets in engem Austausch mit ihrer menschlichen Doppelgängerin. Dann schauen sich die beiden an, nicken einander zu, verstehen sich blind.
In Bettina Engelhardts Inszenierung von Bettina Flitners Erinnerungsbuch «Meine Schwester» (Bühnenfassung Engelhardt und Margrit Sengebusch) in der kleinen Spielstätte ADA am Schauspiel Essen erscheint das Puppenspiel als beklemmende Chiffre für ein seelisches Leid, das im Suizid endet. Ausgehend vom Selbstmord ihrer Schwester Susanne streift ...
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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Natalie Bloch
Widder – sind widerständig. Setzen ihren Kopf durch, um jeden Preis. Wie anders hätte die Forscherin Jane Goddall 23 Jahre lang warten können, um für wenige Monate als unterste Schimpansin in einer Affenhorde mitzulaufen? Oder Proto-Nazi Bernhard Förster seine «arische Kolonie» Nueva Germania in Paraguay als Dystopie mit Durchfall und Drama jahrelang durchgezogen...
Eine irisierende Tapete, eine Kombination aus Sessel mit angrenzender Couch. Der Flur führt direkt auf ein Fenster, das aber offensichtlich nur Tapete ist. Eine Pferdekopf-Statue links, eine Fensterfront mit Gardinen rechts. Es sieht alles sehr gepflegt aus, aber auch, als wolle einer mehr sein als er ist. Zu gewollt, zu künstlich das alles (Bühne Hannes Hetta).
Ei...
Es ist ein fast magischer Moment: Lautlos und langsam schiebt sich etwa auf der Hälfe des Abends ein menschhoher Glaskasten aus der Unterbühne. Drinnen hängt ein raumgreifender Ast, weit verzweigt ist er und doch abhackt, in seinem Wachstum gestoppt. Surreal scheint er im Raum zu schweben in dem schwefelgelben Licht (Marius Lorenzen), das diesen erfüllt, scheint...
