Die Ersten und die Letzten
Der Berliner Kultursenator machte den Bühnen kurz vor Ostern schon mal Mut: «Kulturbetriebe waren die Ersten, die schließen mussten», sagte Klaus Lederer, «und werden vermutlich die Letzten sein, die wieder öffnen.» Wie lange es tatsächlich noch dauern wird, bis Theater wieder zu einem halbwegs geregelten Spielbetrieb zurückkehren können, ist derzeit noch unklar. Fest steht allerdings, dass die Corona-Krise an mindestens drei Stellen die Bruchlinien unseres Gemeinwesens und Theatersystems kompromisslos aufdeckt.
Während menschliche Nähe und soziale Gemeinschaft vom Virus bestraft werden, funktionieren der gute alte Nationalstaat und vor allem seine Grenzen so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Eine doppelte Krise der Gemeinschaft ist ausgebrochen. Sie behindert einerseits unmittelbare – nicht nur theatrale – Diskurs- und Diskussionskontakte, forciert andererseits alte/neue Einreisesperren, Reiseverbote und nationale Abschottung. Dabei werden nicht nur Grenzen wieder geschlossen, die man schon vergessen hatte, auch europäische Solidarität muss warten.
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat ja nicht unrecht, wenn er im Streit um gemeinschaftliche Euro-Anleihen mit Blick ...
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Theater heute Juni 2020
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
Petitionen, Demonstrationen, Blockaden, Polizeigroßeinsatz, Hubschrauber gar … Am Ende wurden die Aufführungen von Brett Baileys Performance-Installation «Exhibit B» (2012) mit ihren expliziten Bildanleihen bei Völkerschauen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts im September 2014 vom Londoner Barbican Centre abgesagt.1 Während die Performance zuvor ohne größeres...
Und wer einmal Blut geleckt hat im Theater, der kann ohne Theater nicht mehr existieren.» So zitiert die Hauswirtschafterin Frau Zittel den verstorbenen Professor Schuster in Thomas Bernhards «Heldenplatz». Als Psychiater und Stressforscher weiß ich: Das Theater hält uns als Gesellschaft seelisch gesund. Theater ist ein Antidot gegen Stress.
Tagsüber behandle ich...
Paris, nach der Apokalypse. Ein humanoider Roboter spielt in der Pariser Garnier-Oper den Hauswart und mehr. Er putzt und fegt, staubt Büsten ab, stimmt einen Flügel ... Am Abend setzt er sich in den Saal, zückt eine Fernbedienung. Das Hologramm einer Tänzerin flackert auf der Bühne auf. Zu den Klängen einer Geisterballade schwebt die Danseuse étoile Amandine...
