Die Erben der Räuber
Endlich mal keine düstere Dystopie zum weiteren Untergang des Abendlandes, sondern eine Zukunftsvision, die nicht heller und erwartungsfroher strahlen könnte: Die Menschheit, wie sie Lukas Bärfuss zumindest am Anfang seines neuen Stücks vorstellt, lebt nach dem Prinzip von «Hingabe, Wohlwollen und Freundschaft», hat Kriege und allen Streit hinter sich gelassen, spricht sich gegenseitig in leicht geschraubt-salbungsvollem Ton an und wirkt überhaupt wie ein Wellnessclub in der Meditationspause.
So jedenfalls die Mitglieder einer archäologischen Expedition – ausgesucht höfliche, promovierte Herrschaften, die sich auch gegenseitig mit ihren Doktortiteln anreden –, die unter Leitung von Dr. Matthias die Ruinen von Bonn erkundet und dabei auf die erstaunlich gut erhaltenen Reste des Kanzlerbungalows stößt. Ihre bisherigen Forschungen haben schon wichtige Erkenntnisse zum barbarischen Vorleben der Menschheit im 20. Jahrhundert erbracht. Man hat sich von scharf gewürzten, zermörserten Fleischspeisen ernährt – der Begriff «Saumagen» fällt allerdings nicht –, litt unter einer Lebenserwartung von deutlich unter 100 und sah entsprechend mit 80 schon wie ein alter Mensch aus.
Leider haben die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2018
Rubrik: Start Mannheim, Seite 24
von Franz Wille
Nun hat auch Chemnitz seinen kompletten «Faust» beisammen. Schauspieldirektor Carsten Knödler eröffnet zur neuen Spielzeit mit dem zweiten Teil der Goetheschen Höllenfahrt nach dem ersten des letzten Jahres, und knüpft auf jeden Fall genau da an, wo er den Vorhang fallen ließ. Wieder gibt Philipp Otto den Gelehrten und Dirk Glodde das Teufelchen, während Marko...
Vor einem Jahr wurde das hochambitionierte Projekt aufgesetzt, mit der Frage aller Fragen, vor der sich unsere Gegenwart (und die politischen Institutionen) so erfolgreich (und vermutlich folgenreich) drücken: «Welche Zukunft!?» Wohin wird das führen, zehn Jahre weitergedacht, was längst schon tiefste Verunsicherung auslöst, Big Data, Klimawandel, der Zerfall der...
Mit Ignaz Kirchner stand ich in einer Gosch-Inszenierung von «Warten auf Godot» in Köln auf der Bühne, als Godot tatsächlich kam. Wir waren erlöst, bis sich dieser Kölner Godot – naturgemäß! – als Studenten-Ulk entpuppte.
Erst einmal stürmte ich hinter den Schmuckvorhang zum wartenden Ignaz. «Ignaz! Wir können in die ‹Glocke›, Milch trinken, Godot ist gekommen....
