Die Erben der Räuber
Endlich mal keine düstere Dystopie zum weiteren Untergang des Abendlandes, sondern eine Zukunftsvision, die nicht heller und erwartungsfroher strahlen könnte: Die Menschheit, wie sie Lukas Bärfuss zumindest am Anfang seines neuen Stücks vorstellt, lebt nach dem Prinzip von «Hingabe, Wohlwollen und Freundschaft», hat Kriege und allen Streit hinter sich gelassen, spricht sich gegenseitig in leicht geschraubt-salbungsvollem Ton an und wirkt überhaupt wie ein Wellnessclub in der Meditationspause.
So jedenfalls die Mitglieder einer archäologischen Expedition – ausgesucht höfliche, promovierte Herrschaften, die sich auch gegenseitig mit ihren Doktortiteln anreden –, die unter Leitung von Dr. Matthias die Ruinen von Bonn erkundet und dabei auf die erstaunlich gut erhaltenen Reste des Kanzlerbungalows stößt. Ihre bisherigen Forschungen haben schon wichtige Erkenntnisse zum barbarischen Vorleben der Menschheit im 20. Jahrhundert erbracht. Man hat sich von scharf gewürzten, zermörserten Fleischspeisen ernährt – der Begriff «Saumagen» fällt allerdings nicht –, litt unter einer Lebenserwartung von deutlich unter 100 und sah entsprechend mit 80 schon wie ein alter Mensch aus.
Leider haben die ...
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Theater heute November 2018
Rubrik: Start Mannheim, Seite 24
von Franz Wille
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