Die Erben der Räuber

Christian Holtzhauer startet in Mannheim mit neuen Stücken von Lukas Bärfuss und Enis Maci, Schillers «Die Räuber» und einem «Volksfest» der besonderen Art

Theater heute - Logo

Endlich mal keine düstere Dystopie zum weiteren Untergang des Abendlandes, sondern eine Zukunftsvision, die nicht heller und erwartungsfroher strahlen könnte: Die Menschheit, wie sie Lukas Bärfuss zumindest am Anfang seines neuen Stücks vorstellt, lebt nach dem Prinzip von «Hingabe, Wohlwollen und Freundschaft», hat Kriege und allen Streit hinter sich gelassen, spricht sich gegenseitig in leicht geschraubt-salbungsvollem Ton an und wirkt überhaupt wie ein Wellnessclub in der Meditationspause.

So jedenfalls die Mitglieder einer archäologischen Expedition – ausgesucht höfliche, promovierte Herrschaften, die sich auch gegenseitig mit ihren Doktortiteln anreden –, die unter Leitung von Dr. Matthias die Ruinen von Bonn erkundet und dabei auf die erstaunlich gut erhaltenen Reste des Kanzlerbungalows stößt. Ihre bisherigen Forschungen haben schon wichtige Erkenntnisse zum barbarischen Vorleben der Menschheit im 20. Jahrhundert erbracht. Man hat sich von scharf gewürzten, zermörserten Fleischspeisen ernährt – der Begriff «Saumagen» fällt allerdings nicht –, litt unter einer Lebenserwartung von deutlich unter 100 und sah entsprechend mit 80 schon wie ein alter Mensch aus. 

Leider haben die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2018
Rubrik: Start Mannheim, Seite 24
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Film: «Das hat nie stattgefunden!»

Ich besuche Kirill Serebrennikov Anfang August 2017 in Kronstadt. Im ehemaligen Kulturhaus der Baltischen Flotte dreht der Regisseur Sequenzen seines neuen Films. Weniger ihm als seiner engsten Mitarbeiterin steht der Stress der vergangenen Monate ins Gesicht geschrieben, auch die Stinkefinger-Brosche an ihrem Kleid kann darüber nicht hinwegtäuschen: Als der...

Film: Die Wunden der Weltgeschichte

Die Menschen haben verlernt, nach oben zu schauen», bedauert der Arzt Gabor Stern im Gespräch mit dem syrischen Flüchtling Aryan. «Wir leben horizontal in unseren Netzwerken.» Damit bringt er auch die zentrale Sehnsucht zum Ausdruck, die den Regisseur Kornel Mundruczo zu seinem neuen Kinofilm «Jupiters Moon» inspiriert hat. Es beginnt fast distanzlos. Die Kamera...

Bücher: Herrn Prosperos armer Vetter

In Christophe Marthalers Inszenierung von Shakespeares «Der Sturm», in der kein Sturm tobte, aber eine seltsam verzaubernde Windstille erblühte, nämlich das im Untertitel versprochene «petit rien», spielte Robert Hunger-Bühler den Ariel als grimmigen Kellner im Frack. Er schien wie die in einer Art Wartesaal versammelten Gäste sein Leben als Schiffbruch erlitten zu...