Die enge weite Welt
Ein kunstvoll gefalteter Papiervogel liegt müde auf dem Boden; als Schatten jedoch erhebt er sich frei in die Lüfte. Symbolträchtiger hätte das Plakat zum diesjährigen Heidelberger Stückemarkt nicht sein können: Zum zweiten Mal mussten die Veranstalter das Festival nun schon Corona-bedingt als Live-Event absagen und ins Netz umziehen. Not und Tugend allenthalben: Man hielt an der Programmstruktur fest, nahm sogar neue Formate hinzu (Hörspielpreis, ausschließlich digital produzierte Arbeiten für das «Netzwerk»), musste aber auch verzichten.
Von den fünf geplanten Produktionen aus dem diesjährigen Gastland Litauen etwa konnten gerade mal zwei gezeigt werden, herausragende deutschsprachige Aufführungen der vergangenen Spielzeit wurden lediglich im Stream angeboten.
Das Herzstück des Festivals aber waren auch diesmal wieder die Urlesungen neuer Stücke junger Autoren. Den dramatischen Marathon, sonst an zwei langen Nachmittagen im Theatersaal durchgeführt, konnte man nun bequem daheim vor dem Bildschirm verfolgen. Ein vergleichsweise geringer ästhetischer Nachteil: Die sechs Beiträge waren vorproduziert, gelesen von Schauspielern des Heidelberger Theaters.
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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Festivals, Seite 50
von Bernd Noack
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