Die Angela und der Sigmar
Hat die Dame wirklich (schon) das Zeug zur Theaterfigur? Sicher, das, was man ihr nachsagt, ist wie aus dem Shakespeareschen Charakter-Fundus: «Die Raffinierte», «Königin der Macht», «Die heißkalte Frau», «Die Unterschätzte», gar eine «Lady Eisenherz» soll sie ja sein. Und doch sagen irgendwie alle «Mutti» zu ihr. Wie geht das zusammen? Und vor allem: Wie prickelnd kann diese Jekyll-Hyde-Veranlagung auf der Bühne sein?
Gar nicht prickelnd, eher bemüht und im platten Sinn unterhaltsam.
Zumindest in dem Versuch, den Juli Zeh und Charlotte Roos zu verantworten haben: Angela Merkel erscheint da als heftig karikierter Dramen-Star inmitten halbdebiler und profilierungssüchtiger Kabinetts- und Parteikollegen, als zentraler Fixstern auf
einer Milchstraße ranziger Polit-Kalauer. Das Stückchen «Mutti», angelegt irgendwo zwischen Kabarett-Nummernrevue und Therapie-Klamotte, uraufgeführt bei den Ruhrfestspielen und später am koproduzierenden Nationaltheater Weimar vor einem heiter-glucksenden Publikum ins Repertoire geschickt, ist nichts anderes als der betulich-harmlose Versuch, auf der Höhe der Zeit zu balancieren. Schließlich fallen aber alle tief: die Autorinnen, Hasko Weber als Regisseur ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Chronik Weimar, Seite 69
von Bernd Noack
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