Der Terrorist, dem keiner glaubt
Ob die Helden in den Stücken von Philipp Löhle naive Spinner, verkappte Revolutionäre oder heilige Narren mit Märtyrerseelen sind, ist nicht so leicht festzumachen. Ein bisschen was von allem steckt in diesen Eigenbrötlern, die nicht (mehr) mitsurfen auf der gesellschaftlichen Konsenswelle, im gefälligen Mainstream der Welt. Der Aussteiger Gospodin, Löhles Protagonist in der konsumsystemkritischen Groteske «Genannt Gospodin» (Stückbdruck und Autorenporträt in TH 1/08), sucht nach einer «antikapitalistischen Lebensweise in einem kapitalistischen Staat».
Sein Dogma: kein Geld, kein Besitz, keine Lohnarbeit! Die Verwirklichung dieser sehr privaten Utopie ergibt sich für ihn nach zahlreichen Prüfungen und Verlockungen im Knast. Was für eine Pointe! Erst hinter Gittern findet Gospodin die Freiheit, die er meint: «Freiheit ist, keine Entscheidung treffen zu müssen!»
Oder nehmen wir Mörchen, den Daniel Düsentrieb aus «Die Kaperer», Löhles Stück zur Klimakatastrophe: auch er ein Außenseiter, von seiner Frau Tine und seinen Freunden als suizidgefährdeter Schrulli eingestuft. Der Hobbytüftler hat ein Ökohaus entworfen, das im Fall einer klimawandelbedingten Sintflut als Arche Noah ...
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