«Wo ist die Störung?»
Im Chor liegt der Ursprung des antiken Theaters. Erst trat ein Protagonist heraus, dann der zweite. Doch es dauerte nicht lange, dann war der dramatische Konflikt erfunden. Er hat in den folgenden zweieinhalb Jahrtausenden große Karriere gemacht, denn spätestens seit Renaissance und Aufklärung handelt der Mensch gerne auf sich allein gestellt. Aber der Chor war nicht totzuschweigen. Seit Beginn des letzten Jahrhunderts hat er sich immer wieder kraftvoll auf der Bühne zurückgemeldet.
Max Reinhardt, Gustav Rudolf Sellner, Peter Stein, Ariane Mnouchkine, Einar Schleef und zuletzt Volker Lösch haben jeweils eigene, zum Teil sehr unterschiedliche Chor-Ausprägungen für ihr Theater entwickelt. Auf den folgenden Seiten erzählt der Schleef-erfahrene Bernd Freytag, der zuletzt viele Chöre mit Volker Lösch einstudiert hat, von der Arbeit und seinen Erfahrungen.
Theater heute Bernd Freytag, Sie studieren mit Volker Lösch die Bürger-Chöre ein, in Dresden, in Stuttgart und zuletzt in Hamburg für die Bearbeitung von Peter Weiss’ «Marat/Sade» am Deutschen Schauspielhaus, in der ein Hartz-IV-Chor unter anderem eine Liste der reichsten Hamburger vorträgt. Angefangen mit der Chorarbeit haben Sie ...
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Im Theater vor allem der letzten 30 Jahre ist der Chor-Körper eine der wichtigsten innovativen Kräfte. Das gilt für die Altmeister der europäischen Theaterszene Max Reinhardt, Ariane Mnouchkine und Peter Stein, die Chor-Protagonisten der neunziger Jahre Schleef oder Marthaler, aber auch für die theatrale deutschsprachige Gegenwart, für Regisseure wie Sebastian...
Manchmal ist die Verteidigung schlimmer als die Gefahr, gegen die man sich verteidigt. In Boris Vians absurder Komödie «Die Reichsgründer» flüchtet eine Familie in einem Wohnhaus jedes Mal, wenn ein lautes, unerklärliches, bedrohliches Geräusch ertönt, einen Stock höher in immer kleinere Wohnungen, der eigene Lebens- und Freiheitsraum wird immer weiter beschnitten....
Eigentlich ist sie eine Penthesilea, Jana Schulz, diese merkwürdigste Schauspielerin im wenig merkwürdigen Schirmer-Ensemble, so bockig, unkokett und unbeirrbar. Doch jetzt spielt sie das Käthchen, das Kleist einmal die in der Hingabe ebenso starke Kehrseite der Amazonenkönigin genannt hat, und das ist Roger Vontobels Glück, lässt ihre sperrige Präsenz doch...
