Der Schattenmann
Dieses neue Stück von Christoph Nußbaumeder ist eine Reise ins Herz der waffenproduzierenden Industrie – dorthin, wo die Kriege von morgen bereits heute geführt werden. Es geht um künstliche Intelligenz und autonome Waffentechnik. Nußbaumeder bindet das hochkomplexe und politisch brisante Thema an die persönliche Verantwortung des Einzelnen. «Der junge Held arbeitet als Programmierer für eine Rüstungsfirma, bekommt ein schlechtes Gewissen und muss seine Glücksansprüche abwägen», so fasst der Autor in einem Satz die Handlung zusammen.
Dass daraus ein kraftvolles, lebendiges und überzeugendes Theaterstück geworden ist, hat zwei Gründe. Christoph Nußbaumeder konnte detail- und kenntnisreich schreiben, denn er weiß über seinen Gegenstand genau Bescheid. Er hat intensiv vor Ort recherchiert und sich parallel dazu gründlich in die Zusammenhänge zwischen Kapitalismus und Krieg eingelesen. Einen spannenden Einblick in die Vorarbeiten bietet Nußbaumeders Aufsatz «Vielleicht Polanyi» im Logbuch des Suhrkamp Verlags, wo er mit Karl Polanyis «The Great Transformation» eine seiner Quellen nennt. Zweitens ist ihm ein theatralischer Coup eingefallen, der seinen Text mittels Fantasie über ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 176
von Jürgen Popig und Holger Schultze
Wie ist es möglich, Identitätsgrenzen zu überwinden? Kann man multiple Kulturen in sich vereinen? Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der arabische Diplomat Muhammed al-Wazzan, genannt Leo Africanus, von Piraten gefangen genommen, nach Rom verschleppt und dort von Papst Leo X. getauft. Nach einem Jahrzehnt als hochgeachteter Gelehrter in Italien gelangen ihm die...
Heinar ist einer, der sich der Konzentration auf das Wesentliche verschrieben hat. Zunehmend hat er das Sprechen eingestellt, um nur noch das zu tun, was er für existenziell hält: das Bauen. Seine Hingabe konzentriert sich vorerst noch auf das Errichten eines Eigenheims. Den Rückzug aus der Stadt will er ganz alleine schaffen – lediglich zwei Schwarzarbeiter gehen...
«Das Grundgesetz ist verbindlicher und präziser als jeder denkbare Begriff einer Leitkultur. Zugleich deutet sich darin keine Hierarchie der Menschen an, sondern allenfalls der Werte und Handlungen. Vor dem Grundgesetz sind alle gleich, in einer Leitkultur nicht.»
Dies ist ein Kommentar Navid Kermanis zur Debatte über «Leitkultur» aus dem Jahr 2017. Die...
