Der Schatten eines Zweifels

Saisonstart in Zürich: Intendantin Barbara Frey inszeniert «Maria Stuart» und Stefan Bachmann «Martin Salander», es gibt eine Heuschrecken-Kolonie und einen Amoklauf frei nach Rainer Werner Fassbinder

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Shakespeare? Blutiges englisches Königsdrama? Nein, Schiller, trockene deutsche Tragödienklassik. Und dennoch beginnt «Maria Stuart» in der grandiosen Zürcher Schiffbauhalle very british. Der Gitarrist Claus Boesser-Ferrari und der Stimmvirtuose Graham F. Valentine erklimmen zwei Podeste. Von dort aus erklin­­gen luftige Renaissance-Songs; von dort aus über­blicken sie, über alle Verwicklungen erhaben, den Sumpf des elisabethanischen Erbfolgestreits, den Heinrich VIII. seinem Königreich hinterlassen hat.

 

Welchen Geist die Regisseurin Barbara Frey in diesem Staate ortet, unterstreicht der erste Auftritt: Es ist der Quälgeist der Spitzelei. Ritter Paulet (Klaus Brömmelmeier) schleicht herbei, eine Scha­tulle in den Klauen. In seinem Kerker schmachtet Maria Stuart. Soeben kramt er in ihren Geheim­nissen, durchaus genüsslich und immer im Diens­te seiner Majestät, jener Elisabeth I., die um ihren Thron fürchtet, solange die Stuart darauf schielt. Bekanntlich ist die Schottin mit dem kontinentalen katholischen Hochadel im Bunde. Darüber hinaus verfügt sie über einen dynastisch einwandfreien Stammbaum – im Gegensatz zu Elisabeth, Spross der unheiligen zweiten Ehe von King Henry und Anna ...

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Theater heute November 2009
Rubrik: Starts, Seite 26
von Stephan Reuter

Vergriffen
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