Der Schatten eines Zweifels
Shakespeare? Blutiges englisches Königsdrama? Nein, Schiller, trockene deutsche Tragödienklassik. Und dennoch beginnt «Maria Stuart» in der grandiosen Zürcher Schiffbauhalle very british. Der Gitarrist Claus Boesser-Ferrari und der Stimmvirtuose Graham F. Valentine erklimmen zwei Podeste. Von dort aus erklingen luftige Renaissance-Songs; von dort aus überblicken sie, über alle Verwicklungen erhaben, den Sumpf des elisabethanischen Erbfolgestreits, den Heinrich VIII. seinem Königreich hinterlassen hat.
Welchen Geist die Regisseurin Barbara Frey in diesem Staate ortet, unterstreicht der erste Auftritt: Es ist der Quälgeist der Spitzelei. Ritter Paulet (Klaus Brömmelmeier) schleicht herbei, eine Schatulle in den Klauen. In seinem Kerker schmachtet Maria Stuart. Soeben kramt er in ihren Geheimnissen, durchaus genüsslich und immer im Dienste seiner Majestät, jener Elisabeth I., die um ihren Thron fürchtet, solange die Stuart darauf schielt. Bekanntlich ist die Schottin mit dem kontinentalen katholischen Hochadel im Bunde. Darüber hinaus verfügt sie über einen dynastisch einwandfreien Stammbaum – im Gegensatz zu Elisabeth, Spross der unheiligen zweiten Ehe von King Henry und Anna ...
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