Der schärfste Macker im Viertel

Andreas Dresen inszeniert in Basel seine erste Oper: Mozarts «Don Giovanni»

Theater heute - Logo

Andreas Dresen hat sich früher einmal, in seinem höchst erfolgreichen Experimentalfilmer-Alltag, noch mit einer «halben Treppe» irgendwo in Ex-Ost-Deutschland an der Oder zufrieden gegeben. Jetzt macht er gerade Oper in Basel am Rhein, und da wird er unweigerlich zum monumentalistischen Gesamtkunstwerker. Klar hat ihn die halbe Treppe damals wie kein weiterer Film fürs Musiktheatralische qualifiziert, «Halbe Treppe» lebte ja eigentlich genauso vom Einsatz einer Band, die sich die «17 Hippies» nannten, wie von der Geschichte und den Schauspielern.

Es war so eine Art verdünnter Marthaler. Nicht gerade rasend spannend, aber schon etwas liebenswürdig Eigenes. 

Müdes, ausgewaschenes Deutschland auf der Suche nach ein bisschen Zärtlichkeit halt. Und jetzt ist er im Jahre Mozart also dem «Don Giovanni» über den Weg gelaufen. Stolzes Spanien der unstillbaren Begierden.

Dresen erzählt die Geschichte jetzt so: Der Don (Thomas J. Mayer) ist ein Raubtier der Großstadt, ein Regelloser, auch irgendwie Stilloser, ein grimmiger Aufsteigerprolet, der Bier trinkt, Fastfood verschlingt, Väter tötet, Töchter niedermäht, sie sogar mitten aus ihrer Hochzeit in sein Bett redet, der schärfste und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2006
Rubrik: Tanz- und Musiktheater, Seite 32
von Simone Meier

Vergriffen
Weitere Beiträge
Alte Bekannte, frische Geschichte, neue Version

Eine Leiche im Keller belebt jedes Drama. Und wenn das Stück unbeerdigte Vergangenheit da unten auch noch von historischer Verstrickung erzählt, dann braucht man sich um die exemplarische Bedeutsamkeit fast schon keine Sorgen mehr zu machen. Fast. Denn nicht alle Vergangenheiten sind gleich, und die jüngste ist nicht immer die explosivste. Jedenfalls nicht im...

Gipfeltreffen mit Katerfrühstück

  Das Matterhorn hat viele Gesichter. Strahlend weiß vor Postkartenhimmel. Mit rosigem Gipfel, der neugierig aus dem Morgennebel ragt. Grünstichig, sturmumtost und abweisend am späten Nachmittag. Nachts ein kalter Keil in Anthrazit, spitz wie eine Waffe. Thomas Imbach hat zahllose Aufnahmen der Bergikone in seine Filmerzählung «Lenz» geschnitten, immer aus...

Grobiane und Westenträ

Die Revolution ist ein ambulanter Zustand. Sie duldet kein Sich-Einrichten. Ihre Führer sitzen am besten auf gepackten Kisten – wartend wie auf die lange Bank geschoben für einen kurzen Prozess, der ihnen gemacht wird. Wenn sich mit pathetischer Geste der rote Vorhang rafft, liegt die Bühne des Schauspielhauses Bochum im Dunkel. Die Konturen eines zu Paaren...