Der rote Faden

Bemerkungen zum Politischen im deutschen Theater der sechziger Jahre

Theater heute - Logo

Ein 68er bin ich wahrlich nicht. Für Mitbestimmung hatte ich in den fünfziger Jahren demonstriert, als Teilnehmer von DGB-Kundgebungen. Da ging es darum, die paritätische Mitbestimmung der Arbeitnehmer in der Industrie durchzusetzen. Her­aus kam ein Kompromiss: Die erweiterte Mitbestimmung (paritätisch besetzte Aufsichtsräte, Arbeitsdirektoren in den Vorständen) blieb auf die Montan-Industrie beschränkt. Ich vermied es damals, in Demonstrationszügen hinter Fahnen und Transparenten herzumarschieren.

(Die Erinnerung an die Marschblocks der Hitlerjugend hatten mir die mentale Fähigkeit dazu genommen.) 1963 gab es in «Theater heute» eine Debatte über «politisches Theater». Ich plädierte, bezog mich dabei auf den frühen Marx und Ernst Bloch, für ein Theater, das vergan­genheitskritisch, gegenwartsparteilich und zukunftsoffen agierte. Eine sehr allgemeine Position.
 

Heute nachdenkend, ziehe ich einen eigentlich dünnen roten Faden aus dem Gewebe der bundesrepublikanischen Theatergeschichte der sechziger Jahre, einen Faden, der erst gegen Ende im Jahre 1968 ankommt.
 

Am 20. November 1962 hatte Gustaf Gründgens, in den fünfziger Jahren im Theater der Bundesrepublik dominierend wie Adenauer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: 68–war da was?, Seite 32
von Henning Rischbieter

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Leben in Zentimetern

Kein Wort. Nichts. Ich weiß um meine Rechte. Und deshalb sage ich ohne meinen Anwalt gar nichts.» Die ersten Worte des bekannten Schauspielers Jan Friedberg zeigen: Etwas ist schief gegangen. In Thomas Jonigks neuem Stück «Donna Davison» dreht eine Regisseurin einen pornografischen Kunstfilm. Der Inhalt ist simpel: Ein berühmter Schauspieler und eine...

Komplett immun gegen Glamour und Gloria

Verabredet waren ungefähr zehn Minuten. Zehn Minuten am Handy; fünf, sechs Sätze über Constanze Becker. Sven Lehmann, Beckers Kollege vom Deutschen Theater Berlin, ruft schließlich aus seinem verdienten Jahresurlaub an.
 

Es wurden dann exakt 43 Minuten. Ohne Punkt und Komma. Hymnenverdächtig. In Gerhart Hauptmanns «Ratten», inszeniert von Michael Thalheimer, spielt...

Wuttkes Mangel oder Schwierige Geschichten

Martin Wuttke ist jetzt «Tatort»-Kommissar. Das ist keine Schande, aber doch ein klarer Schnitt. Er ist einer der auffälligsten und profiliertesten Schauspieler seiner Generation, hat über 400-mal Arturo Ui gespielt in Heiner Müllers hinterlassener Brecht-Inszenierung, war ein kurzes Jahr dessen Nachfolger als Intendant des Berliner Ensembles und gehörte dann über...