Der Preis der Normalität
RAINALD GOETZ «Baracke»
Zurück in die Nuller Jahre.
Wie war das damals eigentlich, als der Aufbruchselan der ersten rot-grünen Regierung sich in neolibera -len Reformen totlief, als der wohlstandsdumpfe Pragmatismus der Merkel-Zeit begann, in dessen Schatten die AfD-Stimmung heranwachsen konnte, als der NSU unter der Wahrnehmungsschwelle von Polizei und Gesellschaft unerkannt mordend im Campingbus durch Deutschland fuhr, als «postmigrantisch» als erklärungsbedürftiges Fremdwort galt, als Rainald Goetz’ literarische Gesellschaftserkundungen in Schreibkrisen und «alles verdunkelnder Weltfinsternis» feststeckten?
Die Antwort kam leicht zeitversetzt im Jahr 2023. «Baracke» sucht nach der Gleichung von rechtem Terror und Intimität, von Kleinfamilie und Gewaltverbrechen, verquerer Ideologie und biederer Lebensform, kurz: absurder Normalität. Die Antworten kommen nicht von außen als soziologische Kausalkette einer scheiternden Transformationsgesellschaft, sondern mosaikhaft zersplittert aus der Innensicht, die dem Freundschafts- und Beziehungsdreieck nachgeht, dem Alltäglichen einer Jugendliebe, deren politische Taten meist nur am Rand aufscheinen. Goetz meint dazu, er habe sich «von der ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Best of, Seite 28
von Franz Wille
Klar, dieser Liza muss man nichts beibringen, sie muss auch nicht erst «hübsch» gemacht oder erzogen werden, und einen irgendwie signifikanten Akzent hat sie schon gar nicht. Im Gegenteil, ihre Aussprache perlt in perfekter Artikula -tion ohne den Anflug eines krassen Dialekts, und Blumen verkauft sie auch nur vorübergehend, um sich das Schauspielstudium zu...
Ich war ja neulich am Meer. An der Nordsee, auf Amrum. Sieben Tage lang. Ich hatte mir eine kleine Wohnung gemietet, von der aus ich direkt aufs Wasser gucken konnte und schrieb. Und las. Aß. Trank. Und schlief. Und ich werde es wieder tun.
Schreiben ist Arbeit. Aber da ich mich weder um meine Mails noch um die Bürokratie kümmerte, keine Telefonate führte, hier...
Der Anfang März dieses Jahres in Cambridge im Alter von 89 Jahren verstorbene englische Dramatiker kam aus einer in der Londoner Vorstadt Holloway lebenden Arbeiterfamilie. Kriegserlebnisse, vor allem die Bombardierung Londons, die Evakuierung sowie die soziale Deklassierung prägten seine Kindheit und wurden später die Themen seiner Stücke. 15-jährig verließ er...
