Der Preis der Normalität
RAINALD GOETZ «Baracke»
Zurück in die Nuller Jahre.
Wie war das damals eigentlich, als der Aufbruchselan der ersten rot-grünen Regierung sich in neolibera -len Reformen totlief, als der wohlstandsdumpfe Pragmatismus der Merkel-Zeit begann, in dessen Schatten die AfD-Stimmung heranwachsen konnte, als der NSU unter der Wahrnehmungsschwelle von Polizei und Gesellschaft unerkannt mordend im Campingbus durch Deutschland fuhr, als «postmigrantisch» als erklärungsbedürftiges Fremdwort galt, als Rainald Goetz’ literarische Gesellschaftserkundungen in Schreibkrisen und «alles verdunkelnder Weltfinsternis» feststeckten?
Die Antwort kam leicht zeitversetzt im Jahr 2023. «Baracke» sucht nach der Gleichung von rechtem Terror und Intimität, von Kleinfamilie und Gewaltverbrechen, verquerer Ideologie und biederer Lebensform, kurz: absurder Normalität. Die Antworten kommen nicht von außen als soziologische Kausalkette einer scheiternden Transformationsgesellschaft, sondern mosaikhaft zersplittert aus der Innensicht, die dem Freundschafts- und Beziehungsdreieck nachgeht, dem Alltäglichen einer Jugendliebe, deren politische Taten meist nur am Rand aufscheinen. Goetz meint dazu, er habe sich «von der ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Best of, Seite 28
von Franz Wille
Das Buch beginnt mit einem Abstieg in die Unterbühne, das Reich der Eisenträger, Hubvorrichtungen und Stromschaltkreise. Dort findet sich noch heute, gleichsam im Zentrum des Betriebs, ummauert und verputzt, den Augen entzogen, das Antriebssystem jener mächtigen Drehbühne, die Max Reinhardt, bis heute prominentester Hausherr des Deutschen Theaters, 1905 einbauen...
Der oberösterreichische Dichter Franz Stelz -hamer (1802–1874) war so populär, dass nach seinem Tod zahlreiche Straßen nach ihm benannt und zwei Denkmäler gesetzt wurden. Hermann Bahr hat sogar ein Stelzhamer-Drama («Der Franzl», 1900) verfasst. In einem von Stelzhamer selbst und selbstbewusst erstellten Poeten-Ranking belegte er hinter Homer, Shakespeare,...
4.5./SAMSTAG 20.15, 3sat:
Starke Stücke/ Theatertreffen: Laios
Mitschnitt der Inszenierung vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg. «Laios» ist der zweite Teil des fünfteiligen Theatermarathons «Anthropolis» von Roland Schimmelpfennig, inszeniert von Karin Beier mit Lina Beckmann.
11.5./SAMSTAG 20.15, 3sat:
Starke Stücke/ Theatertreffen: Macbeth
Regisseur Johan Simons...
