Der Preis der Normalität
RAINALD GOETZ «Baracke»
Zurück in die Nuller Jahre.
Wie war das damals eigentlich, als der Aufbruchselan der ersten rot-grünen Regierung sich in neolibera -len Reformen totlief, als der wohlstandsdumpfe Pragmatismus der Merkel-Zeit begann, in dessen Schatten die AfD-Stimmung heranwachsen konnte, als der NSU unter der Wahrnehmungsschwelle von Polizei und Gesellschaft unerkannt mordend im Campingbus durch Deutschland fuhr, als «postmigrantisch» als erklärungsbedürftiges Fremdwort galt, als Rainald Goetz’ literarische Gesellschaftserkundungen in Schreibkrisen und «alles verdunkelnder Weltfinsternis» feststeckten?
Die Antwort kam leicht zeitversetzt im Jahr 2023. «Baracke» sucht nach der Gleichung von rechtem Terror und Intimität, von Kleinfamilie und Gewaltverbrechen, verquerer Ideologie und biederer Lebensform, kurz: absurder Normalität. Die Antworten kommen nicht von außen als soziologische Kausalkette einer scheiternden Transformationsgesellschaft, sondern mosaikhaft zersplittert aus der Innensicht, die dem Freundschafts- und Beziehungsdreieck nachgeht, dem Alltäglichen einer Jugendliebe, deren politische Taten meist nur am Rand aufscheinen. Goetz meint dazu, er habe sich «von der ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Best of, Seite 28
von Franz Wille
On Tour
BASEL, KASERNE
7.–8., Yasmine Hugonnet / Cie Arts Mouvementés. Les Porte-Voix – Cabaret Ventriloque
15., 27., Patricija Bronic, Klapa (AT)
16.–17., Marc Brew und Sidi Larbi Cherkaoui, An Accident / A Life 29.–31., Tabea Martin, Love Scenes
BERLIN, BALLHAUS OST
18.–19., Rodrigo Zorzanelli, Multiple Memberships
24.–26., Tentacular Figurings, Meet your...
Es war einmal eine alte Schaumstoff-Matratze. Die hatte viele Jahre in einer Berliner Wohnung gelegen – Menschen hatten auf ihr geschlafen, ihre Träume und Krankheiten auf sie gebettet, geschwitzt, Liebe gemacht und manchmal vielleicht auch einige Tränen vergossen. Als sie nun alt geworden war, und an einer Straßenecke im Prenzlauer Berg auf ihre Entsorgung...
Fast den ganzen Abend haben die Schauspieler Daniel Lommatzsch und Sebastian Rudolph schon als stumme Edel -statisten in schwerer Feuerwehrmontur verbracht. Erst kurz vor Schluss dieser letzten eigenen Inszenierung des scheidenden Intendanten Nicolas Stemann am Schauspielhaus Zürich schälen sie sich aus den Uniformen, tragen Anzüge darunter, werden zu aalglatten...
