Der Preis der Normalität
RAINALD GOETZ «Baracke»
Zurück in die Nuller Jahre.
Wie war das damals eigentlich, als der Aufbruchselan der ersten rot-grünen Regierung sich in neolibera -len Reformen totlief, als der wohlstandsdumpfe Pragmatismus der Merkel-Zeit begann, in dessen Schatten die AfD-Stimmung heranwachsen konnte, als der NSU unter der Wahrnehmungsschwelle von Polizei und Gesellschaft unerkannt mordend im Campingbus durch Deutschland fuhr, als «postmigrantisch» als erklärungsbedürftiges Fremdwort galt, als Rainald Goetz’ literarische Gesellschaftserkundungen in Schreibkrisen und «alles verdunkelnder Weltfinsternis» feststeckten?
Die Antwort kam leicht zeitversetzt im Jahr 2023. «Baracke» sucht nach der Gleichung von rechtem Terror und Intimität, von Kleinfamilie und Gewaltverbrechen, verquerer Ideologie und biederer Lebensform, kurz: absurder Normalität. Die Antworten kommen nicht von außen als soziologische Kausalkette einer scheiternden Transformationsgesellschaft, sondern mosaikhaft zersplittert aus der Innensicht, die dem Freundschafts- und Beziehungsdreieck nachgeht, dem Alltäglichen einer Jugendliebe, deren politische Taten meist nur am Rand aufscheinen. Goetz meint dazu, er habe sich «von der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2024
Rubrik: Best of, Seite 28
von Franz Wille
Was er wohl so denkt, wenn er vor der Tür steht? Oder in diesem Fall: sie, «die Tod»? Der Dramatiker Marcus Peter Tesch, Jahrgang 1989 und aus dem niederbayerischen Deggendorf, in Gießen ausgebildet und in der Dramaturgie der «Schaubühne» in Berlin weiter geschult, war zweimal Leiter des «Writers Room» beim Theatertreffen und 2017 nominiert für den Retzhofer...
4.5./SAMSTAG 20.15, 3sat:
Starke Stücke/ Theatertreffen: Laios
Mitschnitt der Inszenierung vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg. «Laios» ist der zweite Teil des fünfteiligen Theatermarathons «Anthropolis» von Roland Schimmelpfennig, inszeniert von Karin Beier mit Lina Beckmann.
11.5./SAMSTAG 20.15, 3sat:
Starke Stücke/ Theatertreffen: Macbeth
Regisseur Johan Simons...
Schön ist schlimm, und schlimm ist schön.» Die Umwertung aller Werte steht am Anfang von Shakespeares Mörder -drama «Macbeth». Drei Hexen sprechen den seltsam symmetrischen Satz, den Johan Simons zum Konzept seiner Bochumer Inszenierung macht: Jens Harzer, Marina Galic und Stefan Hunstein stehen zu Anfang in schwarzen Smokings, Fliegen und weißen Hemden auf der...
