Der Motor surrt
Wer spricht hier eigentlich? Schauspielerin Anna Rieser sitzt auf der riesigen Bühne des Wiener Volkstheaters etwas verloren auf einem Baugerüst (Bühne: Michael Sieberock-Serafimowitsch); sie möchte mit uns Kontakt aufnehmen. Doch ihr Mikrofon gibt nur wummernde, monströse, nichtmenschliche Laute von sich. Was sie auch sagt, nichts erreicht uns, sie sendet auf einem falschen Kanal. Erst als Bühnenarbeiter eine Luke im Boden öffnen, aus der es hell leuchtet, wird auch ihre Rede verständlich.
Keine Kommunikation ohne Bodenschätze.
Erdöl ist auch der Saft, der diesen Monolog schmiert, so die erste, durchaus überraschende Pointe eines Abends, der sich «Black Flame – A Noise Essay» nennt. Die chilenische Autorin und Regisseurin Manuela Infante hat dafür eine Recherche gestartet, die sich kritisch mit Ausbeutung, Wirtschaftswachstumsfetisch, Energiekrise und Zerstörung der Umwelt beschäftigt, gleichzeitig möchte sie aber auch über Öl «aus einer nichtmenschlichen Perspektive» nachdenken, wie sie im Programmheft betont. Die Frage ist, wie gehen Aufklärung und Poesie zusammen?
Der erste Auftritt gehört Tech-Großmaul Elon Musk, Rieser gibt ihn breitbeinig, ständig metallisch lachend über ...
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Theater heute Februar 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Karin Cerny
Die Seele ist verletzbar. Das habe ich erfahren», gesteht die Schauspielerin dem Publikum, das über die Raumbühne verteilt auf Stühlen sitzt. «Stellen Sie sich vor, Sie haben keine einzige Schublade, in die Sie Ihre Notizen legen können. Jeder Raum ist vom Geheimdienst vermessen, jedes Wort kann mitgeschnitten werden. Jede intime Handlung wird belauscht.»
Im...
Ein Tanz-, Performance- oder Theaterabend ohne Publikum ist entweder eine sehr elaborierte Pointe – oder aber, und das ist wahrscheinlich öfter der Fall, eine mindestens schwierige Sache für alle Beteiligten. Kein Wunder also, dass das leere Theater und das Spiel vor leerem Haus zu den stärksten Angstbildern des Betriebs zählen. Eine hybride Produktion wie Gob...
«Von hinten war es lustiger als von vorne», sagte der britische Dramatiker Michael Frayn, als er von der Seitenbühne aus eine Aufführung seines Stücks sah. Davon inspiriert, schrieb er «Der nackte Wahnsinn». Vor 40 Jahren wurde die Komödie in London uraufgeführt, 1992 in der Regie von Peter Bogdanovic verfilmt, mittlerweile ist sie Kult. Ein verdammt schlechtes...
