Der Mittelstand der Dinge
Wenn im Theater der Vorhang hochgeht, hat das normalerweise nichts zu bedeuten. Hier ist es ein Zeichen, das Hoffnung machen soll: «Es geht wieder aufwärts!» Sagt Regisseur Schorsch Kamerun, der als «Schuldenberg-Moderator» höchstpersönlich durch seine Inszenierung von Kathrin Rögglas neuem Theatertext «draußen tobt die dunkelziffer» im Wiener Volkstheater (eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen) führt.
Er bittet die Besucher, ihre Mobiltelefone wieder einzuschalten («Wir wollen in Kontakt bleiben!»), präsentiert ein schickes Bühnenbildmodell, das aber leider zu teuer war, und kündigt einen Krimi an: «Warum ist der Mittelstand weggebrochen? War es Fremdeinwirkung oder Selbstmord?»
Constanze Kümmels (Spar-)Bühne ist mit Insignien kleinbürgerlichen Lebens (altdeutsche Möbel, Zimmerpflanzen, Stehlampen, elektrische Kandelaber, ein Safe etc.) vollgestellt; ein Chauffeur, ein Dienstmädchen und ein Gärtner repräsentieren die «Symbole des Mittelstands»: Auto, Wohnung, Garten. Rögglas anonyme Figuren haben bei Kamerun Namen, wobei man bei Michael Rastls Rolle nicht ganz sicher ist, ob mit Kaufmann der Name oder der Beruf gemeint ist. Kaufmann und Frau P. (Babett Arens), Chantal und ...
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Theater Heute Kathrin Röggla, in Ihrem neuesten Theaterstück «draußen tobt die dunkelziffer» wimmelt es von Leuten, die tief in den Miesen stecken. Kennen Sie das aus eigener Erfahrung?
Kathrin Röggla (lacht) Wir alle sind verschuldet! Das ist unsere Grunddisposition! Ich muss lachen, weil ich gerade Gilles Deleuzes Postscriptum zu Foucaults...
Simon Stephens kommt aus Stockport und ging fort, erst nach York, dann nach London. Sein zweites Stück «Port» (nach «Reiher», Stückabdruck in TH 4/03) spielt in einer, dieser Kleinstadt und handelt vom Fortgehen, von Aufbruch. Sein drittes, «One Minute», spielt in London und handelt, ja, auch vom Fortgehen, aber ebenso vom Bleiben, von Stagnation, vom Leben ohne...
Life sucks. Die vier Figuren in Katharina Schlenders neuem Stück «Rosige Zeiten» können ein Lied davon singen und tun dies auch im Verlauf des Abends noch zur Genüge. Sie heißen Bruno Butterbrot, Eddi Essig, Henry Heiser und Mila Mittenzwei und scheinen einem Kinderstück entsprungen, das wegen Überschreitung des Grenzwerts für chronische Depression keine...
