Der Mittelstand der Dinge
Wenn im Theater der Vorhang hochgeht, hat das normalerweise nichts zu bedeuten. Hier ist es ein Zeichen, das Hoffnung machen soll: «Es geht wieder aufwärts!» Sagt Regisseur Schorsch Kamerun, der als «Schuldenberg-Moderator» höchstpersönlich durch seine Inszenierung von Kathrin Rögglas neuem Theatertext «draußen tobt die dunkelziffer» im Wiener Volkstheater (eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen) führt.
Er bittet die Besucher, ihre Mobiltelefone wieder einzuschalten («Wir wollen in Kontakt bleiben!»), präsentiert ein schickes Bühnenbildmodell, das aber leider zu teuer war, und kündigt einen Krimi an: «Warum ist der Mittelstand weggebrochen? War es Fremdeinwirkung oder Selbstmord?»
Constanze Kümmels (Spar-)Bühne ist mit Insignien kleinbürgerlichen Lebens (altdeutsche Möbel, Zimmerpflanzen, Stehlampen, elektrische Kandelaber, ein Safe etc.) vollgestellt; ein Chauffeur, ein Dienstmädchen und ein Gärtner repräsentieren die «Symbole des Mittelstands»: Auto, Wohnung, Garten. Rögglas anonyme Figuren haben bei Kamerun Namen, wobei man bei Michael Rastls Rolle nicht ganz sicher ist, ob mit Kaufmann der Name oder der Beruf gemeint ist. Kaufmann und Frau P. (Babett Arens), Chantal und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Für Schauspielerinnen und Schauspieler ist die Nachrichtensprecherei vielleicht die größte Herausforderung unserer Tage. Zwischen kritischem Verfremdungseffekt und Einfühlungstheater liegt nur ein Hauch. Mit dem Lüpfen einer Augenbraue hat man die Seiten gewechselt. Und in was für einem Krieg – zwischen Kunst und Kitsch, Qualität und Quote, Vernunft und Wahn, Ober-...
Spröder kann ein Titel nicht sein. Aber natürlich versteckt sich darunter eine Idee, genauer gesagt: unter dem Linoleum ein Toter. Gespielt von einem lebendigen Schauspieler (Ulrich Haß); fast unmerklich hebt sich die Bauchdecke, zuckt eine Wimper. Irgendwann, viel später, wird der Tote nicht wirklich überraschend zu sprechen anfangen, vorerst aber, von den...
Jetzt kommt das Mitmachtheater», fordert die Bühne. Applaus. «Und wer sind Sie?» «Ich bin Studentin der klassischen Archäologie in Gießen», sagt die junge Frau mit leiser Stimme aus dem Publikum. Applaus. Sie betritt die Bühne und weiß plötzlich ganz genau, wo alles ist: die Blockflöte, die OP-Masken, der Wischlappen. Sie ist blond, sie ist schüchtern. Sie könnte...
