Der Mann aus Marmor

Botho Strauß hat Shakespeares «Titus Andronicus» zur «Schändung» weiterdramaturgisiert – über die Uraufführung, inszeniert von Luc Bondy in Paris

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Der Herold des Tragischen hat’s heute so schwer wie der Prophet schon immer. Keiner will ihm zuhören. Das geht so nicht mehr, murmeln die Leute, führen Sprachzweifel und Formerwägungen ins Feld oder verschanzen sich gleich ganz hinter Gelächter. Das alles muss er hinnehmen. Sage aber keiner, dass Botho Strauß seine Pappenheimer deswegen nicht kennt, verwünsche er gleich ihren Flachsinn. Mit einem Ordnungsruf beginnt sein neues Stück «Schändung», eine Paraphrase von Shakespeares blutrünstiger Rachetragödie «Titus Andronicus».

Den szenischen Rahmen für das alte Spiel gibt, wieder einmal, eine Partygesellschaft ab, die zu Anfang von draußen auf die Bühne drängt – und hinter der Luc Bondy bei der Pariser Uraufführung in der großen Halle der Ateliers Berthier, dem gegenwärtigen Domizil des Théâtre de l’Odéon, hörbar die eiserne Einlasstür verschließt.

Diese Gesellschaft wird später im Stück dem unzulänglichen, aber amüsanten Kaiser Saturninus akklamieren und beim Feiern helfen, wird hingegen am Ende, wenn der neue Herrscher, ein Kindkaiser und Hoffnungsträger auftritt, dessen Botschaft vom anbrechenden Friedenszeitalter in aller Unernsthaftigkeit glatt überhören. Ihnen, der gutgelaunten ...

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Theater heute November 2005
Rubrik: Ausland Paris, Seite 30
von Dorothee Hammerstein

Vergriffen
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