Der letzte Stern der Müden

Der Film-, Theater- und Opernregisseur Werner Schroeter starb mit 65 Jahren

Theater heute - Logo

Was für eine seltsame, singuläre Karriere, die sich da zwischen den Theatern von Kassel oder Oberhausen, Berlin und Hamburg, den Opern von Amsterdam oder Paris und Filmretrospektiven in Locarno, Rom und New York bewegt hat! 
 

Werner Schroeter war von Beginn an und blieb bis zuletzt ein Sonderfall – als Filmemacher des deutschen Autorenkinos, als Bühnenregisseur des Sprech- und Musiktheaters. Diese Zwitterstellung hat sein Werk geprägt. 
 

«Der Rosenkönig» hieß ein Film aus den 80er Jahren.

Könnte man ihn nicht selbst so bezeichnen? Rose und Kreuz waren seine Insignien. Die Rose bezeichnet den Anspruch der Kunst, sich durch sich und in sich selbst zu erfüllen. Das Kreuz steht für Tod, Leid und Schmerz. Aus dem sich ergänzenden Gegensatzpaar erschließt sich seine Arbeit: lauter Passionsgeschichten, verkörpert in der Diva assoluta Maria Callas, unter deren Eindruck Schroeter als Künstler begann. Wolf Wondratschek schrieb, dass er statt des Zelluloids am liebsten die Stimmbänder der Callas belichtet hätte. 
 

Der Grenzgänger Schroeter war unbehaust, unterwegs zu Sehnsuchtsorten, dorthin, «wo meine Sonne scheint», wie Caterina Valente einst sang. Die Schlagermelodie hat ihn infiziert, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2010
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Andreas Wilink

Vergriffen
Weitere Beiträge
Von den Füßen auf den Kopf

Kaum einer bürstet derzeit das gute alte wellmade play so ausdauernd und radikal gegen den Strich wie der britische Dramatiker Dennis Kelly. Von vorne nach hinten erzählen – gut und schön, aber warum nicht mal von hinten nach vorn wie in «Liebe und Geld»? Dokumentarische Techniken einbauen durch Interviews und Recherche – sicher, ein Klassiker der modernen...

Liebe deine Angst

Wenn man sich mal wieder richtig wohlfühlen will in seiner mittleren bundesdeutschen Durchschnitts­existenz, dann sind die neuen Stücke von Sibylle Berg ein schöner Anlass.
Zum Beispiel «Nur Nachts». So gegen vier Uhr morgens ist der körpereigene Serotoninspiegel zuverlässig an seinem tiefsten Punkt. Wer das Pech hat, um diese Zeit aufzuwachen, kann sich auf eine...

«Wir haben doch Gruppe!»

Die Truppe, die da ihren Feierabend auf einem Kreativität simulierenden Tapeziertisch im Hamburger Thalia Theater abhockt, könnte direkt von einem Ayurveda-Kurs aus Berlin-Prenzlauer Berg weggecastet sein. Wie in einem Standbild eingefroren, schauen die Anzug-, Goldfummel- und Blumenkleidträger/innen erst mal minutenlang stumm ins Publikum. Einzig die stehende...