Holistisch denken
Sich eine Welt auszumalen, in der das Realitätsprinzip abgeschafft ist, praktische Umstände keine Rolle spielen und der Wunsch nur darauf wartet, seine Erfüllung zu finden, das hat wenig mit der Art und Weise zu tun, mit der ich mich durchs Leben bewege. Deswegen entspricht es meinem Bild des idealen Theaters und meinem Selbstverständnis, dass die Künstlerische Leitung und die Geschäftsführung in einer Hand sind. Die eine Seite hat immer auch mit der anderen – ihrem vermeintlichen Gegenteil – zu tun. Ich nenne das holistisch denken. Kein Inhalt ohne Form. Kein Geist ohne Körper.
Keine Reflexion ohne Sinnlichkeit. Nur so kann ein Theater entstehen, in dem die Liebe genauso einen Ort hat wie die Politik.
Das HAU – Hebbel am Ufer kommt in vielerlei Hinsicht meinen Vorstellungen eines idealen Theaters bereits recht nahe. Ein Haus ohne eigenes Ensemble, in dem aber viele Bühnenkünstler eine Heimat haben, ein Haus für Gastspiele und Koproduktionen, für Internationalität und Interdisziplinarität. Zudem ein Ort, an dem wir mit dem HAU1, HAU2, HAU3 über drei Spielstätten mit höchst unterschiedlichen Raumsituationen verfügen. Wir haben nicht nur die Wahl, wenn es um die Frage geht, welcher ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utpoien, Seite 20
von Annemie Vanackere
Die einzige Kirche, die erleuchtet ist, ist eine, die brennt.»
Dieses Stück ist eine Zumutung. Es beginnt mit einer elend langen Hasstirade, dem Monolog einer alternden Frau, bestehend aus anklagenden Hauptsätzen voller Obszönitäten. Es steigert sich zu einer Aufzählung von Psychopharmaka, die in alphabetischer Reihenfolge ausgespuckt werden. Ein präpubertärer...
Als mich die Anfrage zu diesem Thema erreichte, erschrak ich zunächst, denn in über 15 Jahren Leitungsverantwortung an nicht idealen Theatern hatte ich nie mehr darüber nachdenken können, was ideal wäre. Sondern immer nur darüber, wie Optimales im
Unidealen zu schaffen sei. Umso neugieriger war ich auf meine eigenen Wünsche. Diese sind seit mehreren...
Schuhe aus Beton muss Fandra Fatale tragen, damit sie nicht den Boden unter den Füßen verliert und endlich ihr Leben meistern kann. Albert Wegelin erinnert an Hermann Melvilles Bartleby und sein «Ich möchte lieber nicht» und wird doch ohne sein Zutun plötzlich ein mutiger Wut-Bürger. Der fette Karl Klotz ist in eine schwerelose Seiltänzerin verliebt. Herr...
