Der Krieg der Komiker
Die Vorgeschichte ging vermutlich so: Das Großherzogtum Gerolstein hätte mit seinen 150 Einwohnern ruhig leben können, plötzlich waren es aber 200, und die Lage wurde gefährlich. Ein Feind zeigte sich, der vermutlich in der Lage war, das Großreich mit 100 Mann zu umzingeln. Die versammelten Napoleons im Regierungsgebäude beschlossen Kampfhandlungen, man zog die verfügbaren Männer ein, es entstand eine richtige Armee, die auf einem größeren Salonteppich Platz fand. Der General beschwerte die Ecken seines Strategiepapiers mit vier Glas Sekt.
Die Lage war verzweifelt, aber nicht ernst, ernst, aber nicht partyfrei. Wir stehen – wenn sie denn überhaupt anfängt – am Anfang von Jacques Offenbachs Operette «Die Großherzogin von Gérolstein».
Gezirkelt torkeln
Während das Großherzogtum sich auf den Krieg vorbereitet, fallen bereits die ersten Schüsse im wahren Kampf des Abends: Offenbach gegen Marthaler. Ersterer ein Abendmotto, geschwungen wie ein Laken von einem offenbach höchst, Verzeihung, offenbar höchst angeregten Marthaler, der beim Aufgehen des Vorhangs den Präparationsmangel auftreten lässt. Bühne frei für – in der Tat ist die Bühne ganz leer, noch niemand da. Ein Einsamer auf der ...
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«Entschuldigen Sie, ich habe Sie nicht gesehen», was für ein harmloser Satz. Giulia, in bewährter Sprödigkeit von Corinna Harfouch verkörpert, entschuldigt sich auf diese Weise bei einer älteren Frau dafür, dass sie ihr nicht gleich den Platz freigeräumt hat. Doch als Antwort bekommt sie etwas zu hören, dass diesem Satz gewissermaßen die Unschuld raubt. «Ich weiß...
Wer Manfred Meihöfer auf der Bühne erlebt hat, weiß, dass mit ihm ein zum Platzen pralles Energiebündel auftrat. Manchmal hatte man fast den Eindruck, als tobe während des Spielens in ihm eine Wut auf das Spielen selbst, als wollte er dieses «Als ob» in sich niederringen.
Vor ungefähr zehn Jahren spielte er am Berliner Gorki-Theater den Anton Meister in der Regie...
So ein Tag in Potsdam kann schon etwas Behagliches haben. Nach einem ausgiebigen Spaziergang im Park von Sanssouci betritt man das spätbarocke Schlosstheater im Neuen Palais. Die kleine Hofbühne Friedrichs des Großen wird vom Hans Otto Theater (HOT) traditionell für die delektablen Theatererlebnisse von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten angemietet. Und...
