Der Kampf um die Liebe
Troilus und Cressida stehen Romeo und Julia in vielem nach, nicht nur, was ihren Popularitätsgrad anbelangt, sondern auch im Extremismus ihres Gefühls. Wo das trojanische Paar zaudert und zögert, weil Cressida für sich erkannt hat: «Begehrt wird die nur, die sich ziert», stürzen sich die beiden jungen Veroneser mit haltloser Unbedingtheit in ihre Liebe, die sie wie ein Blitzschlag trifft.
Zwar ereilt beide Shakespeare-Paare dasselbe Schicksal: dass ihre Beziehung vom Krieg verhindert wird (hier dem Trojanischen – dort dem Clinch der Familienclans) und ihre erste Liebesnacht auch schon die letzte ist.
Doch nie, unter keinen Umständen, würde sich Julia derart folgsam in die politischen Gegebenheiten fügen wie Cressida, die im Austausch gegen einen Gefangenen an die Griechen ausgeliefert wird, weil ihr Vater, der zu den Griechen übergelaufene Priester Kalchas, dies so arrangiert. Dass sie sich dort, im gegnerischen Lager, mit Diomedes einlässt, halb unter Zwang, halb aus realpolitischem Frust und – das ist eine Frage der Interpretation – ein bisschen wohl auch aus Liederlichkeit, wäre für Julia der allerschlimmste Liebesverrat. Lieber sterben und tragisch untergehen, als sich ...
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Michael MerschmeierHerr Trittin, Sie gehen gern und häufig ins Theater – nicht gerade
üblich für einen Politiker.
Jürgen TrittinDas resultiert aus einer biografischen Vorschädigung. Ich hab beim Schultheater mitgespielt – zum Beispiel den Kai in «Kai aus der Kiste», Branco in «Die rote Zora» oder im «Gespenst von Canterville». Das hat mir großen Spaß gemacht....
Ein Jude, ein Muslim, ein Christ treten ins kalte Licht einer nackten Bühne. Anlässe zur Zwietracht finden sich schnell, doch so richtig bricht der Streit los, als eine namenlose Leiche vom Himmel fällt: Jeder besteht darauf, den Toten nach seinen Ritualen zu bestatten. Die Mundwinkel des Juden beben vor Zorn, der Muslim hebt die Faust. Gleichermaßen vehement wie...
THSie arbeiten schon länger für Theater, haben zum Beispiel «Othello» übersetzt oder «Lulu» bearbeitet und vor zwei Jahren mit «Schwarze Jungfrauen», einer Art Interview-Montage, ein neues dokumentarisches Format entwickelt. Ähnlich ist «Schattenstimmen» entstanden, worin es nicht um fundamentalistische Muslimas, sondern um illegale Einwanderer geht. Aber in beiden...
