The Middle Beast
Ein Jude, ein Muslim, ein Christ treten ins kalte Licht einer nackten Bühne. Anlässe zur Zwietracht finden sich schnell, doch so richtig bricht der Streit los, als eine namenlose Leiche vom Himmel fällt: Jeder besteht darauf, den Toten nach seinen Ritualen zu bestatten. Die Mundwinkel des Juden beben vor Zorn, der Muslim hebt die Faust. Gleichermaßen vehement wie borniert, so prallen die drei aufeinander; die Unterschiede zwischen den Religionen heben sich in wildem Streitgetöse auf.
In «The Middle Beast» inszeniert der Beiruter Dramatiker und Regisseur Joe Kodeih die Verwerfungen des Nahostkonflikts mit viel Witz. Doch der tiefe Pessimismus des Stücks tritt in der Absurdität seines Verlaufs nur umso klarer hervor: Ein Konflikt über einen toten Körper ist das einzige, was die Protagonisten zusammenbringt. Am Ende verlassen sie die Bühne, schweigend, in entgegengesetzte Richtungen.
«The Middle Beast» läuft derzeit mit großem Erfolg in Beirut, einer Stadt, die ihre konfessionelle Spaltung seit dem Bürgerkrieg (1975–1990) nie überwunden hat. Erst vor wenigen Wochen löste ein bewaffneter Aufstand der islamistischen Hisbollah so heftige Unruhen aus, dass das Land kurzfristig am Rande ...
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