Der große Bluff
Die Idee zu dem Stück sei ihm in Südamerika gekommen. Dort, an der Grenze zwischen Chile und Argentinien, plane man, einen ganzen Gletscher abzutragen und anderswo wieder aufzubauen, um an die darunter liegenden Bodenschätze zu kommen. Was wäre, schreibt Philipp Löhle, wenn «man etwas ganz Fernes einfach aufs Hier überträgt, auf uns, auf unsere Gegend, unsere Welt.
Vielleicht gelingt es dadurch, das Phänomen Globalisierung zusammenschnurren zu lassen, weil, ja, einerseits kann man immer sagen, damit habe ich nichts zu tun, das ist so weit weg, und andererseits hängt man, hängen wir alle auch irgendwie mit drin, aber eben nur entfernt, unscharf, verschwommen. Und wird das nicht konkreter, wenn wir den Schauplatz uns vor die Haustüre verlegen und mal fragen: Was wäre denn, wenn man im Schwarzwald Gold fände?»
Die Geschichte beginnt mit Friedrich, einem studierten Geologen und Dauerpraktikanten. Als Friedrich auch nach dem 12. Praktikum die Kündigung droht, verabschiedet er sich von seinem Arbeitgeber mit «sorry, das musste mal raus» und pinkelt seinem Chef auf den Schreibtisch. Friedrich, dieser Vertreter der Generation Praktikum, ist einer dieser typischen Löhle-Helden. Einer dieser ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 187
von Ingoh Brux
Warum wird ein Theater zum Theater des Jahres? Wegen seiner Vergangenheit und seiner Zukunft, weil es irgendwo herkommt und weil es irgendwohin den Weg weist. Die Gegenwart ist dann nur der günstige Moment dazwischen.
Das Kölner Schauspiel kommt aus einer Senke mühseliger, glückloser Jahrzehnte. Überregionale Bedeutung erhielt es zuerst in der Intendanz Hansgünther...
Theater heuteHerr Rühle, was missfällt Ihnen so vehement am zeitgenössischen deutschsprachigen Theater?
Günter RühleBei den augenblicklichen Entwicklungen am Theater geht es nicht um Missfallen, sondern um die Veränderungen, die wir Theaterbesucher mit unseren Erlebnissen und mit unseren Vorstellungen von Kunst und der Funktion von Theater in Verbindung bringen....
Es war einmal eine Epoche, die man heute als die Aufklärung bezeichnet. Die hatte, lange bevor ihre Ära endlich anbrach, literarische Wegbereiter. Das waren eben jene
Bösewichte Shakespeares, rücksichtslose Söhne und verderbte Töchter, die sich provokativ gegen Denkverbote auflehnten und so die herrschende Weltordnung nicht nur in Frage stellten, sondern kurzerhand...
