Der Eiserne Vorhang des Epischen
Die Kinderliteratur unserer Tage steckt voller unvergesslicher Figuren: Grüffelo etwa, ein klobiges, warzennasiges Monster, das sich von einer winzigen Maus düpieren lässt. Oder die Olchies, diese fröhlichen Anbeter des Schmutzes und Verächter des Wassers, die auf ihrer Müllkippe einem Leben in Ekel frönen. Oder die dichtenden und abenteuernden Ratten Eliot und Isabella mit ihren so eigentümlichen Kompagnons wie Reimschmied Guido Giggelblatt, der lehrt: «Ein Reimer kramt im Wortgewühl, der Dichter aber hat Gefühl.
» Sie alle haben sich tief ins Gedächtnis gegraben, in ihrer schrulligen, anarchischen, tragikomischen, fantasiestrotzenden, durch und durch menschlichen Charakterfülle.
Während sich diese Reihe für Belletristik und begleitende Hörspiele noch um einiges fortsetzen ließe, sind mir aus der neueren Theaterliteratur für junge Menschen kaum Figuren von vergleichbar klassischem Status erinnerlich. Der größte Hit der letzten Jahre ist Wolfgang Herrndorfs «Tschick» und adressiert eher Jugendliche (und Erwachsene). Im Kindertheater müssen Herzenshelden wie Mogli, die kleine Hexe, der Räuber Hotzenplotz oder die diversen Grimm’schen Abenteurer ran, wenn die Hütte voll werden soll. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2021
Rubrik: Mülheimer Kinderstücke, Seite 19
von Christian Rakow
Personen
Adam, ein etwas eigenbrötlerischer Provinzbürger, Anfang der 40
Frau Adam, seine Gattin, Inhaberin eines Automatenbuffets, gegen 50
Pankraz, Zimmerherr bei Adam
Puttgam, ein Straßenhändler, abgebauter Lehrer, undefinierbaren Alters
Schulrat Wittibtöter, Stadtrat Erhardt, Apotheker Hüslein, Redakteur Arendt, Oberförster Wutlitz, Kaufmann Plötzow:...
«Hier kann man Spaß tanken», verspricht die Schauspielerin Marie Seiser fröhlich. Sie begrüßt mich am ersten Schalter der «Tankstelle am Wall» und schlägt mir ein paar gemeinsame Spiele vor. Nur wenige Augenblicke später stehe ich an einem verglasten Schalter in Göttingen und spiele Taketina. Das ist ein verwirrendes Rhythmus-Koordinations-Spiel, das man eigentlich...
Ja, es war ein besonderer Jahrgang. Und das ist, man muss es so banal festhalten, in erster Linie der Pandemie geschuldet. Nie zuvor wäre Business as usual für eine Theatersaison eine gute Nachricht gewesen. Es gab aber kein as usual, und das Business stockte obendrein, vor allem im Box Office. Umso erfreulicher, dass der Auswahljury der Mülheimer Theatertage 2021...
