Der Eiserne Vorhang des Epischen
Die Kinderliteratur unserer Tage steckt voller unvergesslicher Figuren: Grüffelo etwa, ein klobiges, warzennasiges Monster, das sich von einer winzigen Maus düpieren lässt. Oder die Olchies, diese fröhlichen Anbeter des Schmutzes und Verächter des Wassers, die auf ihrer Müllkippe einem Leben in Ekel frönen. Oder die dichtenden und abenteuernden Ratten Eliot und Isabella mit ihren so eigentümlichen Kompagnons wie Reimschmied Guido Giggelblatt, der lehrt: «Ein Reimer kramt im Wortgewühl, der Dichter aber hat Gefühl.
» Sie alle haben sich tief ins Gedächtnis gegraben, in ihrer schrulligen, anarchischen, tragikomischen, fantasiestrotzenden, durch und durch menschlichen Charakterfülle.
Während sich diese Reihe für Belletristik und begleitende Hörspiele noch um einiges fortsetzen ließe, sind mir aus der neueren Theaterliteratur für junge Menschen kaum Figuren von vergleichbar klassischem Status erinnerlich. Der größte Hit der letzten Jahre ist Wolfgang Herrndorfs «Tschick» und adressiert eher Jugendliche (und Erwachsene). Im Kindertheater müssen Herzenshelden wie Mogli, die kleine Hexe, der Räuber Hotzenplotz oder die diversen Grimm’schen Abenteurer ran, wenn die Hütte voll werden soll. ...
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Theater heute Mai 2021
Rubrik: Mülheimer Kinderstücke, Seite 19
von Christian Rakow
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