Der dilettierende Seelenmonteur
Wenn Schorsch Kamerun Recht hat, dann schützt Wohlstand vor Angst nicht. Er hat die These, dass «wie kein anderes Gefühl die Angst unser Leben begleitet» und das «trotz immer größerer Freiheit, gesteigerten Möglichkeiten und immer mehr tollen Angeboten». Zum Beispiel dem tollen Angebot eines therapeutischen Theaterabends.
Ganz tief runter zieht uns Schorsch Kamerun im Züricher Schiffbau den grauen Himmel der Depression, wie eine Kuscheldecke umhüllt sie das Publikum, so dass es in seiner Handlungsunfähigkeit in den Theatersitzen von einer großen Angst- und Schmerz-klinik träumen kann.
Dafür sorgt Fabian Hinrichs, der hier Chef ist. Angst, so lernen wir Seminaristen schnell und gerne, versteckt sich überall. Allerdings ist die Hilfe, die in der Angstklinik an drei Patienten ausprobiert wird, keine richtige Hilfe. Denn richtige Hilfe macht keinen Spaß. Fabian Hinrichs aber ist eine multiple Entertainerpersönlichkeit, die mit allen Kniffen professioneller Seelenmontage herumdilettiert. Mal bringt er als Gefühlsdompteur sein Publikum mit peinlichen Anweisungen («Sagen Sie Ihrem Nachbarn, ‹Du siehst gut aus›»!) in kollektives Unbehagen, mal befreit er als regressiv Enthemmter in ...
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Die Ausstellung in der Londoner Tate Modern mit dem Titel «The World as a Stage», die über Objekte und Installationen von 16 internationalen Künstlern die Beziehung zwischen Bildender Kunst und Theater erforschen will, weckt erst einmal einige Erwartungen: auf eine konzentrierte Auseinandersetzung mit Theater, vielleicht auch auf Lebendigkeit.
Falls man jedoch die...
Das ist der ideale Ausgangspunkt für den amerikanischen Filmemacher Wes Anderson, der Anachronismus und nutzloses Wissen zu einem wichtigen Stilprinzip entwickelt hat. In «The Darjeeling Limited» erzählt er von drei amerikanischen Brüdern, die sich in Indien treffen, um eine Zugreise zu unternehmen. Von Francis Whitman (Owen Wilson) ging die Initiative aus, Jack...
Es wär’ ja nicht der Rede wert – dass Herr M. vom Berliner Boulevard, wie’s scheint, die eigene Uhr nicht lesen kann; und «Emil und die Detektive» zwei Drittel von drei, also ganze zwei Stunden lang per Video den Gauner Grundeis jagen sah. Und dass Frau B. zwar für die größere Frankfurter Zeitung schreiben darf, hinter der durchaus auch klügere Köpfe stecken, und...
