Der Dichter als Schwein

Alphamänner am Wiener Burgtheater: Jan Bosse bringt «Der Fall McNeal» von Ayad Akhtar zur deutschsprachigen Erstaufführung (der Stückabdruck liegt diesem Heft bei); Antú Romero Nunes inszeniert Brechts «Herr Puntila und sein Knecht Matti»

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Als die Schwedische Akademie anruft, ist Jacob McNeal gerade bei seiner Internistin. Das ist ein Glück, denn die Nachricht, dass er den Literaturnobelpreis gewonnen hat, hätte er sonst womöglich nicht überlebt. Er zittert am ganzen Körper, beginnt zu hyperventilieren und beruhigt sich erst, nachdem die Ärztin Erste Hilfe geleistet hat.

In der nächsten Szene ist der Schriftsteller dann schon in Stockholm und hält eine präpotente Dankesrede («Wurde aber auch Zeit»), in der er mahnend darauf hinweist, dass auf der Bestsellerliste der «New York Times» bereits drei KI-generierte Romane stehen. Er bringt, nicht zum letzten Mal, Shakespeares Genialität ins Spiel und betont – auch das werden wir noch öfter hören – die schonungslose Offenheit, für die er bekannt sei. Zum Beweis erzählt er die bizarre Geschichte, wie er nach einem Unwetter am offenen Grab seiner Frau steht und deren halb verwesten Schädel in Händen hält. Im weiteren Verlauf des Stücks wird sich herausstellen, dass McNeal 1) kein Shakespeare ist, dass es 2) mit seiner Offenheit nicht weit her ist und dass er 3) nicht nur das mit dem Grab seiner Frau geklaut hat.

Der New Yorker Dramatiker Ayad Akhtar hatte seinen Durchbruch ...

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Theater heute Mai 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 11
von Wolfgang Kralicek

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