Der Aufmerksamkeitsterrorist
Es gibt natürlich eine Webseite. Auf www.die-leiden-des-jungen-werther.de kann man sich die Briefe des längst tot Geglaubten als Mail schicken lassen, täglich oder – zur Wahrung des Zeitgefühls – den datierten Abständen folgend. Ein Hauch von «norway.today» durchweht den Klassiker. Man kann auch Seiten suchen, die Werther und Kurt Cobain in einen Zusammenhang bringen: Google spuckt 11.000 mögliche Fundstellen aus. Terrordrom-Autor Tim Staffel hat sich mit dem Werther beschäftigt und natürlich Nicolas Stemann. Und, ach ja, André Eisermann hat mit ihm ein Hörbuch besprochen.
Wer redet da noch von Plenzdorf?
Einfach macht er einem die Sache dennoch nicht, dieser Werther, dieser (freiwillige? mutwillige?) Außenseiter, der in einem Augenblick die schönsten, innigsten Zeilen schreibt, im nächsten aber mit seiner hochtrabenden Eitelkeit und Ich-Fixiertheit unerträglich wird. Der Lotte liebt und die Kunst – oder doch nur sich selbst? Der sich umbringt, und man weiß nicht, war das nun wirkliche Verzweiflung oder wieder eine Inszenierung oder beleidigte, rechthaberische Rache? Man kann diesen Kerl bewundern, auch schätzen, vielleicht sogar lieben – zu einem Helden kann man ihn eigentlich ...
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Die Arbeit des Andryi Zholdak, Direktor des Staatlichen Schwetschenko-Theaters in Charkow, einer Stadt, die man aus Tolstoj-Romanen bestens zu kennen glaubt, und Träger des Unesco-Regiepreises, wird gemeinhin als «Theaterwunder» bezeichnet. Muss man also mal unter die Lupe nehmen. Herr Zholdak stammt aus einer «Intellektuellenfamilie der Ukraine», wie es in allen...
Am Anfang glaubt man einfach nicht, dass Axel Prahl das alles schafft. Im Prinzip ist die Rolle des agilen Gebrauchtwagenhändlers Bernd Willenbrock für den Schauspieler kein Problem – Prahls Spezialität sind schließlich kleinbürgerliche Milieugestalten wie ostdeutsche Imbissbetreiber oder westfälische «Tatort»-Kommissare. Schwieriger wird es mit Willenbrocks...
Ein kluger und neugieriger Beobachter von Theater, Georg Hensel, schrieb: «In den sechziger Jahren krempelte Minks das, was man bis dahin unter Bühnenbild verstand, gründlich und nachhaltig um. Er hat dem Theater neue Spielräume und Spielformen erschlossen: die reißerische Signalwirkung der Zeichen und der Zitate aus Schrift, Historie und Malerei; die Konzentration...
