Das volle Sortiment
Diese Reportage über einen Besuch in Osnabrück muss mit einem flammenden Plädoyer beginnen. Dafür nämlich, dass ein Theater unbedingt ins Zentrum einer Stadt gehört und nirgendwohin sonst. Nicht in eine verkehrsberuhigte Zone, die vor wie nach der Vorstellung ausgestorben ist; nicht in einen verschlafenen Stadtteil jenseits des Zentrums oder in einen relaxten Freizeitpark mit Skater-Rampe und Chillout Zone, wie uns angesichts aktueller Debatten von sparsamen Stadtplanern schmackhaft gemacht werden soll, anstatt die Bauten im Zentrum zu sanieren.
Ein Theater gehört einfach dorthin, wo die Menschen sich intuitiv versammeln, wo es zu Diskursen kommt. Wie in Osnabrück, wo das Theater direkt neben dem imposanten, spätromanischen Dom St. Peter am Platz der Deutschen Einheit steht. Straßen führen hier vorbei, eine dicht frequentierte Fußgängerzone öffnet sich.
Der Dom repräsentiert das mächtige Erzbistum Osnabrück, wo es brodelt, seitdem 2024 eine Studie veröffentlicht wurde über sexuellen Missbrauch mit 400 Betroffenen und 122 beschuldigten Klerikern. Einen Versuch, dieses die Osnabrücker tief bewegende Thema aufzuarbeiten, ging das Theater mit dem Stück «Ödipus Exzellenz» an, das ...
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Reportage, Seite 72
von Regine Müller
An Selbstbewusstsein scheint es Barbara Strozzi, der wohl bedeutendsten Komponistin des italienischen Frühbarock, nicht gefehlt zu haben. Denn gleich ihr erstes, 1644 im Druck erschienenes Madrigalbuch eröffnet sie mit einem Sonett in der Hoffnung, «vielleicht als neue Sappho begrüßt zu werden». Als «virtuosissima cantatrice» (so Nicolò Fontei schon 1635 in einer...
Abyssus Abyssum Invocat», schreibt Margared auf die schwarze Wand mit weißer Farbe: Ein Unheil folgt dem anderen. Die dunkle Prophezeiung der Königstochter, die Ys, ihre Stadt, wegen der Schmach einer unerwiderten Liebe schließlich an den Feind verrät, wird sich erfüllen. Eine Oper, in der Schwarz und Weiß diametral aufeinanderprallen, ein Stück mit unverkennbaren...
Die Insel war eines ihrer Lieblingsspiele. Alles was man sich nur wünschen und vorstellen konnte, gab es auf ihrer Insel. Manchmal glaubte Philip fast, daß sie wirklich existierte; dort war er der König und Ellen die Königin, und kein anderer durfte sie betreten – sie gehörte ihnen allein.» («Die verzauberte Stadt», Edith Nesbit 1858–1924)
Kinder denken oft in...
