Das Risiko zur Frage machen
Die erste Entscheidung war die schwierigste: einem Stück den Titel «Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1&2» zu geben. Als die Uraufführung näherrückte, kamen Anrufe von Journalisten, auch aus dem Ausland. «Rechnen Sie mit einem Skandal?» – «Nö.» – «Aber das wird doch sicher Wellen schlagen, gibt es schon Gegenwind?» Antwort: «Nö.»
CNN hatte sich zum Filmen angemeldet, vorsorglich. Man hätte sie nutzen können, diese Option auf Sturm, dass es Bewegung gebe in der Frage, um die es dem Projekt ging, und dann wäre das – eine «Debatte». Nö.
«Hitler verkauft immer» – das ist die Logik, der die Anrufe folgen. Und dass unserem Stück dieselbe Logik teilunterstellt wurde, das war dann der einzige ärgerliche Gegenwind zu unserem Stück. Aber eigentlich nicht der Rede wert, weil er eine Projektion des Mechanismus Schlagzeile/Auflage auf Theaterprojekte ist. Die man verstehen kann, die aber dennoch nicht greift.
Im Gegenteil: Es ging darum, eine Grenze zu übertreten, die wir für uns selbst sahen – trotz des Risikos einer solchen Debatte und nicht mit den Medien im Blick. Die Grenze bestand darin, beizutragen zur Aufmerksamkeit für so etwas wie Hitlers Buch. Es ging darum, sich eines Common Sense ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 78
von Daniel Wetzel
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