Das Rätsel Ostdeutschland
Ob die Wahlergebnisse für die AfD in Thüringen, Sachsen und Brandenburg tatsächlich «die Rache des Ostens» sind, wie Frank Castorf meint? Die atavistische Psychologie mal beiseite – einiges und einige sprechen dafür, dass die Verhältnisse komplizierter sind. Zumindest wächst nicht mehr zusammen, was für Willy Brandt zusammengehörte. Steffen Mau hat in «Ungleich vereint» genau aufgelistet, wo die alte deutschdeutsche Grenze noch steht, wo die Unterschiede bleiben – in sozioökonomischer, demografischer und kultureller Hinsicht.
«Sozialstrukturell sind das Wirtschaftsbürgertum, das Bildungsbürgertum und ein modernes Facharbeitermilieu schwächer ausgeprägt, deutlich mehr Menschen rechnen sich der Arbeiterschicht zu.» Im Vergleich sei Westdeutschland deutlich «mittelschichtiger», Ostdeutschland ein «Land der kleinen Leute» mit einer nach wie vor ausgeprägten «Elitenschwäche».
Demografisch dominiert eine Kombination aus «Abwanderung, Alterung und Frauenschwund» besonders in den ländlichen Regionen. Was dort zurückbleibt, sei viel «verunsicherte und reaktionäre Männlichkeit», die gerne AfD wählt. Kulturell hat vor allem die Transformationsphase der 1990er und frühen Nuller Jahre tiefe ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Bücher, Seite 40
von Franz Wille
Sie stakst als Schillers Elisabeth auf blauen Stilettos so sicher über die Bühne, als wären es Arbeitsstiefel – mit böse blitzenden Augen, immer bereit zur giftigen Attacke. Legt in «Ökozid» als Anwältin der Klägerstaaten eine solche Wutperformance hin, dass man ein bisschen Angst kriegt vor so viel freiradikal sich entfaltender Energie. Sie zeigt als Istanbuler...
Es gibt Werke, die einen vorzüglichen Eindruck vom Grundgefühl der DDR vermitteln. Brigitte Reimanns Romanfragment «Franziska Linkerhand» ist ein solches, der Film «Unser kurzes Leben», der auf Reimanns Buch basiert, ebenso. Beide nehmen uns mit hinein in die Welt der gebremsten Aufstiegsversprechen in der ostdeutschen Nachkriegsmoderne.
Die Architektin Franziska...
Es geht um Wahrheit. Quote ist was für Loser», sagt Rainald Goetz in «wrong», genauer in einem Interview mit Christoph Amend aus dem «Zeit-Magazin», das in diesem Sammelband abgedruckt ist. Damit liegt er natürlich komplett falsch, und das wusste er auch, als er es 2010 sagte. Im digitalen Zustand des Kapitalismus fällt eine Bastion der Wahrheit nach der anderen...
