Das Problem Stalin

Brechts Schulbuch-Klassiker «Leben des Galilei» hat einen doppelten Boden: Unter dem gewissensklaren Edelforscher rumort die Zeitgeschichte der Moskauer Prozesse

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1938 vollendet Brecht in Skowsbostrand im dänischen Exil die erste Fassung seines «Galilei», die – schon 1939 leicht überarbeitet – der Uraufführung des Dramas 1943 in Zürich zugrunde lag. Die spätere Konzentration auf die zentrale Gestalt ist zunächst weniger ausgeprägt: Die erste Niederschrift trägt noch den Titel «Die Erde bewegt sich». In den USA entsteht 1944 bis 1947 eine zweite «amerikanische» Fassung, die unter dem Titel «Galileo» mit Charles Laughton in der Hauptrolle zur Aufführung kommt.

1955/56 erarbeitet Brecht am Berliner Ensemble eine dritte Version, die wesentliche Teile der Urfassung wiederherstellt und, während der Proben erneut verändert, der Spieltext für die berühmte Inszenierung des Berliner Ensembles von 1957 wird. 

Um die ursprünglich treibende Thematik des «Galilei» zu erkennen, die eine politische ist, bedarf es der Vergegenwärtigung der Lage des im Exil lebenden Autors bei der ersten Niederschrift des Stücks. Das Jahr 1938 brachte die Nazi-Erfolge in der Tschechoslowakei und in Österreich. In den Beginn der Arbeit am «Galilei» fiel die Kristallnacht vom 9./10. November 1938. Brecht schreibt um diese Zeit von einer «schnell wachsenden Finsternis über einer ...

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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 48
von Hans-Thies Lehmann

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