«Das Männergespiele macht mich gerade so aggressiv»

Ein Gespräch unter Schauspielerinnen, die im Münchner «Wallenstein» an den Kammerspielen die Generalität darstellen

Theater heute - Logo

Illo, Isolani, Octavio und Max Piccolomini – Wallensteins Generäle und Offiziere in Schillers dreiteiligem Kriegsdrama spielen in Jan-Christoph Gockels Inszenierung an den Münchner Kammer-spielen Annette Paulmann, Katharina Bach, Annika Neugart und Johanna Eiworth. Aber wie spielt man einen solchen Mann ganz konkret? Und was geht einer dabei durch den Kopf? Ein Gespräch während der Proben, abgedruckt aus dem Programmbuch der Inszenierung (Transkription und Redaktion Annette Paulmann).

 

Annette Paulmann Heute morgen bin ich am «Mandarin Oriental» (ein 5-Sterne-Hotel hinter den Münchner Kammerspielen) vorbeigegangen. Gegenüber vom Hotel ist diese riesige Baustelle, weshalb die Straße gesperrt ist und nur der sehr schmale Bürgersteig übrigbleibt. Es hat geregnet und ich hatte meinen Regenschirm aufgespannt. Mir kam eine Gruppe von Männern entgegen, die jeweils zu zweit nebeneinander unter einem Regenschirm gingen. Während ich versuchte, Augenkontakt zu machen, gingen sie mit der scheinbar größten Selbstverständlichkeit davon aus, dass ich erstens meinen Schirm zusammenklappe und zweitens auch noch in die Blumenkästen vom Hotel springe, damit sie ungestört an mir vorbei gehen können. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Gespräch, Seite 28
von Annette Paulmann

Weitere Beiträge
Probleme im Stadtbild

Drei Tage bevor Burhan Qurbanis Kafka-Überschreibung «Verwandlung» in der Altonaer Außenstelle Gaußstraße des Hamburger Thalia Theaters zur Uraufführung kommt, steht Bundeskanzler Friedrich Merz auf einer Bühne in Potsdam und lobt die Abschiebepolitik seiner Regierung, gleichwohl gebe es immer noch «Probleme im Stadtbild», weswegen weiterhin «im großen Umfang...

Im Glücksknast

Die Idee kam dem Autor Thomas Melle schon vor 20 Jahren: eine Suizidklinik, die Depressiven und Todessehnsüchtigen ein paar letzte Simulationen des Glücks verschafft. Allerdings unterschreiben die Insassen, Klienten, Patienten – das ist gerade ihnen nicht immer klar – einen Kontrakt, dass sie nach ein paar Monaten dann auch abtreten müssen. Die Institution wird vom...

Die Wahrheit ist das, woran jeder glaubt

Am Nachmittag des 15. August berühren sich auf dem Peetri Plats in Narva zwei unterschiedliche soziale Choreografien im öffentlichen Raum – zwei performative Inszenierungen von «Grenze». Zur Eröffnung der dritten Ausgabe des Vabaduse, sprich: Freiheits-Festivals führt die pakistanische Kompagnie Nulljohn ihre Tanz-Performance «The Zero Line» auf, umgeben von...