Das Herz ist ein Muskel
Unsere Hoffnung gründet sich auf das Sportpublikum», bekennt Bertolt Brecht 1926 in seiner Schrift «Über den Untergang des alten Theaters». «Unser Auge schielt, verbergen wir es nicht, nach diesen ungeheuren Zementtöpfen, gefüllt mit 15.000 Menschen aller Klassen und Gesichtsschnitte, dem klügsten und fairsten Publikum der Welt.»
Vielleicht hatten die Kurator:innen des Festivals «Sportfest» im Ballhaus Ost ganz ähnliche Gedanken.
Wobei die freie Spielstätte im Prenzlauer Berg eher für kleine, experimentelle Theaterformen ausgelegt ist denn für Publikumsmassen, zumal die Zuschauertribüne für die drei Festivalwochen einer vielseitig nutzbaren Raumbühne gewichen war – einer multidisziplinären Mehrzweckhalle sozusagen, im morbiden Charme eines alten «Sportsaals», mit mobilen Basketballkörben und Turnmatten. Im Foyer durfte das Berliner Sportmuseum mit Wimpeln, verblichenen Sportabzeichen und Ehrennadeln an vergangene sportliche Erfolge erinnern.
Vielleicht ging es dem Ballhaus-Team auch einfach um die offensichtlichen, im gesellschaftlichen Diskurs trotzdem säuberlich getrennten Gemeinsamkeiten der Bereiche Theater und Sport. Wer beim letztjährigen DFB-Pokalfinale Zeugin wurde, wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2025
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Anja Quickert
Das Fleisch – ob Mensch, ob Tier – ist gleich. Fleisch, das ist die leitende Metapher in Roger Vontobels Düsseldorfer Inszenierung von Brechts «Die Heilige Johanna der Schlachthöfe». Brecht hatte zunächst die Vorgänge an der Weizenbörse in Chicago im Auge, wechselte dann aber zur Büchsenfleischproduktion, der Metaphorik wegen: die kapitalistische Gesellschaft ein...
Friedrich Schiller, so lässt sich vermuten, dürfte in unserer Epoche einer regelrechten Schreibwut verfallen. Wo angesichts wiedererstarkender Despotien Repressionen zur neuen globalen Normalität gehören, wird sein Ruf nach Freiheit selbst mehr als zwei Jahrhunderte nach seinem Tod 1805 nicht leiser. Studieren konnte man seine uneingeschränkte Aktualität just bei...
Das sind Sätze! «Ist das die Sehnsucht? Still! Jetzt zieht ein Choral durch meine Seele – wenn ich die Wörter nur verstehen würde, diese Silben aus einem anderen Reich, so könnten wir singen.» In solch romantisch klingende Bilder kleidet die abgehalfterte Baronin Ada Freifrau von Stetten in Ödön von Horváths «Zur schönen Aussicht» jenen Augenblick, da ihr die Felle...
