Gut gegen böse
Das Fleisch – ob Mensch, ob Tier – ist gleich. Fleisch, das ist die leitende Metapher in Roger Vontobels Düsseldorfer Inszenierung von Brechts «Die Heilige Johanna der Schlachthöfe». Brecht hatte zunächst die Vorgänge an der Weizenbörse in Chicago im Auge, wechselte dann aber zur Büchsenfleischproduktion, der Metaphorik wegen: die kapitalistische Gesellschaft ein Schlachthaus, Rinder werden geschlachtet und Arbeiter ausgebeutet. Aus zwei seitlichen Röhren quillt Fleisch, Menschenfleisch, Tänzer:innen in blassrosa Ganzkörperanzügen wie Wurstpellen.
In stummer Choreografie sind sie immer im Hintergrund der Szene, wie durch den Fleischwolf gedreht, zur gesichtslosen Masse verwurstet, und an den Haken aufgehängt.
Auch Johanna kriecht aus einem dieser Rohre, fällt auf die Bühne wie zufällig in die Wurstmaschine geraten. Die Fleischbüchsenmacher aber treten oben in einem schmalen Spalt auf, den Bühnenbildner Olaf Altmann dort gelassen hat. Nur Pierpont Mauler, der Fleischkönig, mächtigster Produzent und Spekulant mit Verbindungen zur New Yorker Börse, steht hier aufrecht. Neben der Fleischmetaphorik ist dies der zweite Schwerpunkt der Inszenierung: die Beziehung zwischen Mauler und ...
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Theater heute August-September 2025
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Gerhard Preußer
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