Köln: Schauspiel
Die drei Männer mit dem Dauergrinsen verbreiten schon in der dreißigsten Minute bräsige Behäbigkeit und inkontinente Ironie, als sich dann doch etwas tut. Man hatte alle Zeit der Welt. Sportliche Provokation von Zuschauergeduld und latentes Versprechen eines herausgezögerten Vorhabens hielten sich zwar in einigen guten Momenten die Waage, aber meist wurde jeder Satz, jede Körperposition mit der Haltung angefeuchtet, dass man sie bloß nicht ernst nehmen möge. Dann wird endlich das Register gewechselt.
Aus der Andeutung eines auf 33 abgespielten, aber auf 45 aufgenommenen Werkstattgespräches über irgendein modulares, aus präparierten, aber nicht notwendig auch realisierten Elementen bestehendes Experimental-Improvisationsprojekt, wird jetzt full blown Fernsehparodie.
Regisseur Nicolas Stemann und seine beiden Musikerkumpel Sebastian Vogel und Thomas Kürstner und ihr Talk-Show-Set weichen einer kindisch aufgekratzten Problemfamilien-Soap und ihren Darstellern. Es geht zwar an diesem Abend eigentlich um den so genannten demografischen Faktor, hier vor allem verstanden als das Problem, dass immer weniger Erwachsene in Zukunft immer mehr Rentner finanzieren müssen – aber das hindert ...
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Theater heute Mai 2012
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Diedrich Diederichsen
Angesichts der großen Erregung, die jedesmal durch die Gesellschaft geht, wenn ein Fall von Kindesmissbrauch publik wird, ist es erstaunlich, wie ungestraft große Dichter davonkommen, wenn sie solchen Neigungen im wirklichen Leben oder in ihren Texten nachgehen. Dass Edgar Allen Poe seiner 13-jährigen Cousine nachgestellt hat und sie schließlich heiratete, ist...
Das ungarische Theater ist von den dirigistischen Maßnahmen der Orbán-Regierung geplagt, und es vergeht keine Woche, in der nicht ein neuer Konflikt aufbricht. Zuletzt ging es um die Leitung des Budapester Trafó, einem Zentrum für zeitgenössischen Tanz und alternative Theaterformen. Das Theater der außerhalb des Mutterlandes wohnenden Ungarn ist von diesen...
Was treibt die Briten um, wenn die Luft wärmer wird? Natürlich: Love is in the air. Oder auch nicht. Uninvited Guests verlesen im Southbank Centre Liebesbriefe an Londoner, im Hampstead Theatre und dem Barbican inszenieren Katie Mitchell und Improbable Liebeserklärungen an den Internationalen Gerichtshof und an Kleinst-Anarchen – und im Hampstead Studio werfen...
