Das erschütterte Ich

Thomas Melles literarische Selbstvergewisserung «Die Welt im Rücken»

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Schreiben kann eine sehr lebendige Praxis sein, sich dem Leben zu entziehen. Wer schreibt, verpulvert kein Geld und vertickt keine Bibliothek, beschimpft niemanden, ist nicht im Bett mit Madonna oder anderen Frauen, reist nicht getrieben durchs Land, kassiert kein Hausverbot, auch wenn all das beim Schreiben sehr intensiv vorgestellt, gefühlt und eben beschrieben werden kann. Schreiben ist deshalb neben vielem anderen auch eine Möglichkeit, sich vor der Welt in Sicherheit zu bringen. Oder?

Ach, man kann auch schreibend jede Menge Mist bauen.

Kurz vor der Jahrtausendwende hackte Thomas Melle zusammen mit einem Freund ein Literaturblog, ein Studentenspaß, schrieb unter den Namen fremder Autoren, sprengte so «Am Pool» und fand sich mitten in seinem ersten manischen Schub wieder. Es war der erst später bewusst als solcher realisierte Auftakt einer heftigen, stellenweise lebensgefährlichen manisch-depressiven Erkrankung, deren Verlauf er in seinem jüngsten Buch «Die Welt im Rücken» zu rekonstruieren versucht: «Ich bin zu einer Gestalt aus Gerüchten und Geschichten geworden. (…) In meinen Büchern ist es unauslöslich einge­sickert. (…) Die Fiktion muss pausieren (und ...

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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Bücher, Seite 54
von Eva Behrendt

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